Stadtleben : Beten in der Box

Missionare vom Verein „Pro Christ“ haben gestern zwei Container an der Gedächtniskirche aufgestellt

Das „Staunen“ muss noch ein paar Minuten warten: Der orangefarbene Container wird gerade durchgewischt. In den blauen Container mit dem Aufdruck „Zweifeln“ schieben sich dagegen schon die ersten Besucher. Viel ist nicht drin in den schmalen Räumen: Ein paar Kopfhörer und sechs Minibildschirme, auf denen in ein paar Minuten die Lebensgeschichten verschiedener Menschen erzählt werden, die gezweifelt – und dann zum Glauben gefunden haben.

Zum Beispiel die Geschichte des Lokführers Helmut Hosch, der im Februar 1990 in Rüsselsheim ein Haltesignal übersah und einen Unfall verursachte, bei dem 17 ums Leben kamen. Und der weiterleben kann, weil er glaubt, dass Gott ihm vergeben hat. Auf den Breitscheidplatz gebracht hat die Container der konservative Verein „Pro Christ“. „Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen über das, was sie bewegt“, sagt Pfarrer Carsten Schwarz, der bei „Pro Christ“ den regionalen Arbeitskreis Berlin-Brandenburg betreut. Noch bis Sonntag öffnen die Container täglich von 14 bis 20 Uhr ihre Stahltüren. Sie haben bereits eine lange Reise hinter sich: In der vergangenen Woche standen sie auf Sylt, davor in Chemnitz, im September geht es weiter nach Bielefeld.

Viele Besucher hat der Container an diesem Montagnachmittag noch nicht: Touristen, die kein Deutsch sprechen, laufen kurz hinein ins „Staunen“ und „Zweifeln“, entdecken aber keinerlei englische Hinweise und gehen wieder. Der Spanier Christian dagegen spricht deutsch – und ist nachdenklich geworden, nachdem er den kurzen Film über ein leukämiekrankes Mädchen gesehen hat. „Die Bilder haben mich sehr bewegt“, sagt der 29-Jährige. Was genau ihm durch den Kopf gegangen ist, hat er aufgeschrieben auf einen der Zettel, die Mitarbeiter von „Pro Christ“ vor den Containern verteilen. Die Besucher können darauf ihre Gedanken und Wünsche notieren. Die Mitarbeiter sammeln diese Zettel ein und versprechen, für die Menschen zu beten.

„Ich finde die Container toll“, sagt die Asiatin Cha Hee Nam. Es freue sie, dass es in Deutschland solche Projekte gebe. Auch die Schwedin Lina Lindström ist begeistert – von den Filmen. „Ich finde, das ist eine sehr kreative Art, mit dem Thema Glauben umzugehen.“ Die Schicksale seien interessant, und es läge ja bei jedem selbst, ob er danach mit den Mitarbeitern über Religion sprechen wolle – oder sich einfach seine eigenen Gedanken zum Thema mache.bbe/rni

0 Kommentare

Neuester Kommentar