Bezirkstour : Auf Hochtour: Klaus Wowereit reist durch Lichtenberg

Berlins Regierender Bürgermeister hatte auf seiner Rundfahrt durch Lichtenberg einen ruhigen Tag geplant, der ihn als Schirmherren von Hochleistungssport und Hochleistungstechnik zeigen sollte. Doch auch in der Lichtenberger Verwaltung lauern Konflikte.

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Im Sportforum beobachtete Klaus Wowereit auch die Fechter beim Training. Foto: Davids
Im Sportforum beobachtete Klaus Wowereit auch die Fechter beim Training. Foto: DavidsFoto: DAVIDS

Um 12 Uhr 29 bricht aus dem bislang so verbindlichen Klaus Wowereit der genervte Berliner Haushälter hervor. „Da rebellier ick“, schimpft er, „das is so typisches Verwaltungshandeln, da hab ick n Rochus!“ Eben hatte ihm Harry Bähr, der Chef des Olympiastützpunktes, das verblüffende Phänomen geschildert, dass dort neu eingestellte Trainer besser bezahlt werden als die altgedienten – Ergebnis einer offenbar hoch komplizierten Rechtslage. „Ach“, sagt Wowereit, „dann setzen sie doch, wenn eine neue Stelle frei wird, einen alten Trainer drauf, das ist doch kostenneutral.“

Die Experten wiegen skeptisch die Köpfe, doch die Zeit drängt, das Gewitter geht vorüber, und der Regierende schaltet flugs auf leutselig um. Denn er hat einen konfliktfreien Tag geplant, der ihn als Schirmherren von Hochleistungssport und Hochleistungstechnik zeigen soll: Bezirksbesuch in Lichtenberg.

Bei solchen Rundfahrten zählen die schönen Dinge, die, die funktionieren und den jeweiligen Bezirk als Motor der Entwicklung zeigen. Hohenschönhausen heißt also in diesem Fall: Sportforum statt Stasi-Knast. Das weitläufige Gelände fasziniert ihn, und er interessiert sich für Sport, wenn er auch natürlich im feinen dunklen Tuch gekommen ist und damit einen scharfen Kontrast zu den Adiletten der Trainer abgibt. Eisbären-Star Sven Felski, drei Jungen vom Eishockeynachwuchs und zwei Turmspringerinnen haben sich zu Keksen und Orangensaft eingefunden, und sie sagen, was ein Regierungschef am liebsten hört: Alles perfekt in der Seelenbinder-Schule, tolle Ausbildung, ein besseres Konzept gibt es in Deutschland nicht.

Wowereit, bekennender Hedonist, („Ich bin jedes Jahr beim Marathon dabei, da mach ich den Startschuss“) wird locker, fragt mit Schwung: „Gibt’s denn hier psychologische Betreuung, wenn sich einer fragt, wozu mach ich den ganzen Scheiß?“ Alle grinsen diskret, ja, es gibt schon Psychologen im Haus für solche Fälle.

Später werden die Verantwortlichen allerdings mehr über Geld reden, marode Dächer hat das Forum zur Genüge, außer in der großen Sporthalle. „Da haben wir eher das Problem der Feuchtigkeit im Keller“, wie Geschäftsführer Oleg Krüger hoffnungsfroh anmerkt, „zweieinhalb Millionen könnte ich schon brauchen“. Doch Wowereit ist nicht als Spendieronkel gekommen, und so schaut er beim Fechten und Judo zu, lässt sich erklären, weshalb eine Volleyballerin auf dem Laufband ächzen muss und geht auch Einzelheiten der Athletenernährung nach. Schlussseufzer: „Was wir nicht essen dürfen, das dürft ihr alles essen.“

Später darf er wenigstens etwas essen, die dunklen Limousinen haben die „Alte Mensa“ der Kiezküchen-GmbH in der Atzpodienstraße angesteuert. Dann ist ein weiteres Filetstück des generell doch eher unauffälligen Bezirks an der Reihe: die Rummelsburger Bucht. Peter Siegert von Vattenfall darf über sein neues Biomasse-Kraftwerk berichten, dann geht es im Nachbarschaftszentrum „Altes Lazarett“ um das neue Wohngebiet. Dann redet er hinter verschlossenen Türen mit dem Bezirksamt und öffentlich mit allerhand Vereinsvertretern und Kiezbeiräten. Wer weiß, wann er mal wieder nach Lichtenberg kommt?

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