Biker : Harley Days: Gut zu hören, schön zu sehen

25.000 Biker zeigen am Wochenende ihre Harley Davidsons und demonstrieren deren Sound und Styling.

Eva Kalwa
Harley Days
Harley Days. Bike an der Siegessäule. -Foto: dpa

Man hört sie lange, bevor man sie sieht: Harley-Davidson-Motorräder jeder Farbe und Bauart. Manche wirken wie riesige, gemütliche, chromverzierte Sofas auf zwei Rädern, andere erinnern mit ihrer spartanischen Ausstattung an einen Klappstuhl mit Fahrantrieb. Eine schwere Maschine, eine sogenannte Fat Boy, röhrt ganz à la Terminator II die Straße hinunter, eine andere im grazil-nostalgischen Bobber-Style wird gerade von ihrem langhaarigen Eigentümer mit dem sorgfältig gekämmten weißen Bart im Schatten geparkt. Noch sind hier am Salzufer am frühen Freitagnachmittag erst ein paar Hundert Biker zu sehen, mit rund 25 000 rechnet der Veranstalter der ersten „Berlin Harley Days“ an diesem Wochenende.

300 000 Besucher werden dazu erwartet, die neben den Motorrädern, Stunt- Shows, Schnupperfahrten und kulinarischen Ständen durch kostenlose Konzerte wie den Auftritt der Simple Minds heute von 19 bis 20 Uhr angelockt werden. Am Rande des Geschehens positionierte Polizeieinheiten sollen dafür sorgen, dass Mitglieder der rivalisierenden Rockerbanden Hells Angels und Bandidos nicht auf das Gelände gelangen. Laut Veranstalter haben sich beide Banden bereit erklärt, den „Harley Days“ fernzubleiben, die Berliner Polizei hat den Hells Angels außerdem ein Teilnahme-Verbot ausgesprochen (wir berichteten).

Etliche Motorräder haben Berliner Kennzeichen, doch es gibt auch Besuch von weit her: Der Schwede Krister Sjolund und die Norwegerin Tove Hennum haben gerade eine lange Europa-Tour auf ihrer neuen Maschine mit Anhänger hinter sich und machen vor der Heimreise noch einen Tag Station in Berlin. Neben ihnen stehen zwei orangenfarbige und dunkelblaue selbst gebaute „Custom-Bikes“, ihre Besitzer, Kjeld Gonda aus Charlottenburg und Uwe Gienapp aus Wilmersdorf, freuen sich auf das Wochenende: „Es ist nicht weit und die Stimmung bei solchen Anlässen ist klasse“, sagt Gonda. Seine Worte sind nur halb zu verstehen, weil gerade wieder ein „Fat Boy“ vorbeidonnert.

Ist diese extreme Lautstärke eigentlich erlaubt? „Wenn es eine ältere Maschine ist, die damals noch ganz ohne oder mit wenig Dämpfern zugelassen wurde, schon“, sagt Gonda. Er findet aber, „diese Jungs übertreiben“. Das sieht Karl-Heinz Tonat vom Harley Club Deutschland ganz anders. Der fährt eine graue Knucklehead, Baujahr 1947, so genannt wegen ihres Zylinders, der an Fingerknöchel erinnert. Tonat ist stolz auf den tiefen, satten Klang: „Viele Menschen empfinden ihn als angenehm“, ist der 62-jährige Lichterfelder überzeugt, der im nächsten Jahr mit seiner schönen alten Dame die Route 66 bereisen will.

Für Peter Frühbus und Manja Schaufuß kommt es in erster Linie auf das Aussehen der Maschinen an; sie arbeiten für eine offene Werkstatt in Spandau, wo Harleys nach den Vorstellungen der Kunden gestaltet werden. Mit elegantem Schwung setzt sich Schaufuß auf eine weiß-orange „Dragon“, die sehr schnell und sehr laut wirkt. Hupen und Klingeln, sollte man denken, brauchen diese lautstarken Maschinen nicht. Doch selbst die werden an einem Stand verkauft – natürlich mit Rosen-, Totenkopf- oder Pin-up-Motiven.

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