Bildergeschichten : Berliner in Nahaufnahme

In unserer neuen Serie "Nahaufnahme" porträtieren David Ensikat und Mike Wolff besondere Menschen dieser Stadt. Sie erzählen ihre Geschichte selbst. Die Bilder wiederum haben ihre ganz eigene Sprache. Den Anfang macht Ulla Dahlmann, die Tangotänzerin.

Tangotänzerin Ulla Dahlmann ist die erste Protagonistin der neuen Serie "Nahaufnahme".
Tangotänzerin Ulla Dahlmann ist die erste Protagonistin der neuen Serie "Nahaufnahme".Foto: Mike Wolff

Ulla Dahlmann tanzt Tango, so oft wie möglich, seit zwölf Jahren. Wo würde man fremden Menschen so schnell so nah kommen? Anfangs wusste sie nur eines nicht: „Kann ich das überhaupt, mich führen lassen?“

Christian Kruska ist gerne da, wo viele Menschen sind – Hauptsache, sie erzeugen genug Müll. Er leert die Papierkörbe in Berlin-Mitte und fegt den Alexanderplatz. Sein Traum: Er würde gern eine Großkehrmaschine fahren oder einen Baggersaugwagen.

Die beiden gehören zu den ersten Protagonisten einer Porträtserie im Internet. Es geht um Berliner, die nicht der allzu oft porträtierten Spezies „Prominente“ angehören und die dennoch – oder auch deshalb Interessantes, Rührendes und auch Skurriles über ihr Leben und ihr Tun zu sagen haben. Die Bild-Ton-Porträts, so genannte Audio-Slide-Shows, funktionieren wie ein Film, allerdings mit Standbildern. Zwei bis drei Minuten lang erzählt der Porträtierte über sein Leben, seinen Beruf, seine Leidenschaft, und dazu sind, wie in einer Diaschau, die Fotos zu sehen.

Warum kein Film? Weil die Fotos so gut sind! Es sind Schwarzweiß-Bilder – und auch diese Reduktion folgt der Entscheidung: Konzentration aufs Wesentliche.

Es fängt an mit vier Porträts; wöchentlich wird ein Weiteres dazukommen. Das wird ein Bestatter sein, für den es ein Erfolg ist, wenn er Heavy Metal Fans zum Weinen bringt, eine Auto-Tunerin, die die Polizei nur die „Rennleitung“ nennt, oder ein Kneipen-Wirt, der seit Kurzem im Ruhestand ist, und seine Probleme mit dem Nichtstun hat.

Es gibt ein Vorbild für unsere Serie: „One in 8 Million“, die Online-Porträtsammlung der „New York Times“ aus dem Jahr 2009. Eine Stadt – das mögen auch Häuser und Plätze sein. Zu allererst sind es aber ihre Bewohner. Und ebenso wie bei „One in 8 Million“ diese scheinbar beliebige Auswahl von Personenporträts letztlich ein Porträt von New York ergibt, so sollen unsere „Nahaufnahmen“ ein Bild von Berlin zeichnen, kein vollständiges, aber ein nahes. (Tsp)

Alle Folgen der Serie finden Sie auf www.nahaufnahme-berlin.de.

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