Bill Gates in Berlin : Auf ein Word

Microsoft-Gründer Bill Gates hatte gestern einen Termin bei Klaus Wowereit - für Fotos und ein "offenes" Gespräch. Eingeschwebt ist Gates ausgerechnet über Tempelhof. Heute trifft er Angela Merkel.

Stefan Jacobs
Bill Gates
Bill Gates: Der Microsoft Gründer Anfang Januar auf einer Messe in Las Vegas. -Foto: Imago

BerlinNüchtern betrachtet könnte man sagen, da kommt ein reicher Ami zu Besuch, na und. Aber die Sache ist komplizierter – und symbolbeladener: Ausgerechnet über Tempelhof ist Microsoft-Gründer Bill Gates am Dienstagmittag eingeschwebt. Man kann sich das richtig vorstellen, wie er aus dem Privatjetfenster auf die Reihe der ausgemusterten Air-Berlin-Flugzeuge auf der Wiese gleich neben der Landebahn schaut und hinter dem Flughafenzaun am Tempelhofer Damm den begeistert winkenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Friedbert Pflüger … – nein, das führt jetzt zu weit. Deshalb lieber ein Blick auf die Fakten.

Bill Gates ist also zu Besuch, „ein US-amerikanischer Unternehmer und Programmierer“, wie die Online-Enzyklopädie Wikipedia ihn nennt. Der reichste Mann der Welt, wie ebenda behauptet, ist er nach neuesten Erkenntnissen der Fachpresse zwar nicht mehr, weil ihn 2007 ein mexikanischer Telekom-Mogul überholt hat. Gates’ 1,1 Milliarden Microsoft-Aktien waren gestern zwar eine Milliarde Euro weniger wert als letzte Woche, aber im Gegensatz zu Berlin ist Gates immer noch deutlich im grünen Bereich: Was seine Aktien anbelangt, mit mehr als 24 Milliarden Euro. Das ist fast halb so viel wie Berlin Schulden hat. Beziehungsweise unendlich viel mehr, weil ja bei Gates ein Plus davorsteht.

Anlass für seine Reise ist das von Microsoft zum zehnten Mal veranstaltete „Government Leaders Forum Europe“, das gestern begonnen hat und heute endet. Knapp 500 Teilnehmer, laut Veranstalter vor allem hohe Verwaltungsmitarbeiter und große Microsoft-Kunden, diskutieren über die Zukunft der IT-Branche und der elektronisch organisierten Verwaltung sowie Weiterbildung. Heute wird auch die Bundeskanzlerin erwartet.

Nach dem gestrigen Auftakt stand ein Fototermin mit dem Regierenden Bürgermeister im Roten Rathaus auf Gates’ Programm. Nach der Eintragung ins Gästebuch der Stadt wollten die beiden sich zu einem Gespräch treffen. Themen und Dauer seien offen, hieß es vorab aus der Senatskanzlei. Aber dass der amerikabewährte und durch gelegentliche Englischstunden zusätzlich gestählte Klaus Wowereit (54) und der Besucher aus Seattle (52) sich ausgezeichnet verstehen werden, dürfte keine Frage sein.

Durchaus eine Frage war dagegen die, wo Gates nach dem anschließenden Galadinner im Konzerthaus die Nacht verbringen würde. Das Maritim, der Ort der Konferenz, schien in diesem Fall irgendwie nicht angemessen. Stimmt, sagte einer, der es wissen müsste: Herr Gates schläft im Ritz Carlton. Dort wurde die Buchung gestern zwar dementiert, aber sie werden ihn kaum weggeschickt haben.

Vielleicht war ja sogar die Suite mit Blick aufs Sony-Center frei, die laut Hotelbeschreibung 2200 Quadratfuß (wer’s genauer wissen will: 44 Tiptop-Schritte vor und 50 seitwärts bei ca. Schuhgröße 45) groß und schon wegen dieser Einheit maßgeschneidert für einen betuchten Amerikaner ist. Die Ausstattungsliste liest sich eher unspektakulär; erwähnenswert ist neben dem ovalen Esstisch für zehn Personen am ehesten das Teleskop.

Und sonst? Pergamonmuseum? Knut? „In diesem Fall hat Herr Gates keine Zeit für Sightseeing“, sagte ein Kenner. „Er war ja schon öfter in Berlin.“ Nach Konferenzende, einem Gespräch mit Kanzlerin und Integrationsbeauftragter der Bundesregierung „fliegt er wieder ab“. Dann ist er weg. Aber bald kommen ja die Stones und Madonna. Auch über Tempelhof.

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