BKA wird 20 : Bloß kein Moralin!

Sie bietet Platz für Kleinkunst jeder Größe: Die Berliner Kabarett Anstalt, kurz BKA, feiert ihr 20-jähriges Bestehen. In der Talentschmiede am Mehringdamm starteten Künstler wie Tim Fischer, Gayle Tufts oder Rosenstolz ihre Karriere.

Udo Badelt

Geburtstagswetter und eine Bar, die „Drama“ heißt: Nicht die schlechtesten Voraussetzungen, um über ein Theater zu sprechen, das Jubiläum feiert. Entsprechend sonnig ist die Stimmung von Franziska Keßler, Bettina Exner und Stefanie Selchow, als sie den Mehringdamm hinunter schlendern. Weit haben sie es nicht, ihr Arbeitsplatz, das BKA, liegt nur wenige Hundert Meter entfernt. Seit rund drei Jahren leitet das Trio die Berliner Kabarett Anstalt, die Jürgen Müller und Rainer Rubbert im April 1988 gegründet haben und die jeder nur „das BKA“ nennt, obwohl „die BKA“ eigentlich richtig wäre. Unzählige Kleinkünstler und Sänger sind hier aufgetreten, manche wie Tim Fischer, Ades Zabel, Georgette Dee, Gayle Tufts oder Rosenstolz feierten hier erste Erfolge und sind inzwischen große Namen. Dieses Jahr wird die Talentschmiede BKA 20 Jahre alt.

Selbstverständlich ist das nicht. Der Tod war schon einmal eingetreten, 2004, als das große Zelt, das das Theater bis dahin subventioniert hatte, wegen des rosa Infocontainers für den Schlossaufbau vom Schloßplatz an den Ostbahnhof umziehen musste. Die Politik hatte das Zelt schon oft hin- und hergeschoben, aber dieses Mal ging es schief. Die Gäste zogen nicht mit an den Ostbahnhof. Binnen kurzer Zeit waren die Trägerfirmen insolvent. Es war die Katastrophe. Doch viele der BKA-Künstler wollten das nicht akzeptieren. „Alle meinten: Macht weiter! Da versuchten wir das Unmögliche, nämlich weiterzumachen ohne Zelt, das ja auch tierische Kosten verursacht hat.“ Anfang 2005 gründeten sieben Gesellschafter eine neue Firma. Der Befreiungsschlag ist geglückt. Heute steht das BKA wirtschaftlich gesund da – ohne Subventionen.

Franziska Keßler erzählt diese Geschichten in hohem Tempo. Eine Macherin. Seit 1994 arbeitet sie im BKA, anfangs kümmerte sie sich um den Tresen und die Presse, dann, mit dem Rückzug Jürgen Müllers im Jahr 2000, wurde sie künstlerische Leiterin. Seit Gründung der neuen Firma ist sie auch Geschäftsführerin. „Ich bin vom Charakter her so eingestellt: Gebt mir eine Aufgabe, ich werde das hinkriegen.“ Ihr zur Seite steht Bettina Exner als Pressesprecherin, eine gebürtige Hamburgerin, der ihre Heimat zu ruhig war und die ihr Lebensglück in Berlin gefunden hat. Deswegen zog sie, als ihr alter Arbeitgeber Sony Music nach München ging, nicht mit und ging zum BKA. Dritte im Führungstrio ist Stefanie Selchow, die einst mit einem Restaurant in Friedrichshain Schiffbruch erlitt, jetzt aber im BKA dafür sorgt, dass die Finanzen stimmen.

Das Theater, das sie leiten, hat einen weiten Weg zurückgelegt von den anarchischen Anfängen, in denen die Macher als „Team Diepgen“ geschlossen der CDU beitreten wollten, um vom Senat Unterstützung zu erhalten. Heute sitzt der Regierende Bürgermeister im Publikum, wie bei der Gala vom 28. April, dem Jahrestag der Gründung, und singt gemeinsam mit Cora Frost und den anderen Besuchern ein Geburtstagsständchen. Das hat auch Nachteile. Früher wusste man, wo der Feind stand. Franziska Keßler hat dennoch klare Vorstellungen vom Profil ihres Theaters: „Klug, unkonventionell, respektlos, kein Mainstream, keine Unterhaltung, die beim Essen nicht stört, aber auch kein altbackenes Polittheater, sondern Künstler, die ein Anliegen haben, eine Idee, die sie weitergeben wollen, ohne moralinsauer die Menschen bessern zu wollen.“

Das Programm ist in seiner Vielfalt kaum auf einen Nenner zu bringen. Aber zwei Schwerpunkte gibt es doch. Da sind einmal die Wiener Künstler wie Josef Hader, Alfred Dorfer, Grissemann & Stermann und die Gruppe maschek, die Franziska Keßler für Berlin entdeckt hat. „Das passt sehr gut, der Wiener Humor ist böse und dem Berliner sehr ähnlich.“ Der andere Schwerpunkt ist die schräg-schwule Schiene, repräsentiert von Ades Zabel als Neuköllner Langzeitarbeitsloser Edith Schröder, von Kay Ray oder den O-Tonpiraten. Daneben hält sich manches seit der Gründung des Theaters im Programm, wie Rainer Rubberts wöchentliche Neue-Musik-Reihe „Unerhörte Musik“.

In den Wintermonaten, wenn es unterm Dach nicht so heiß ist, liegt die Auslastung bei 85 Prozent. Anlass also, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Gefeiert wird noch das ganze Jahr über mit Sonderveranstaltungen, zum Beispiel im Kino Babylon mit Grissemann & Stermann am 14. Juni oder mit Josef Hader am 5. und 6. Juli in der Schaubühne.

BKA, Mehringdamm 34, Telefon: 2022007, www.bka-luftschloss.de.

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