Stadtleben : Blümchen für die Ex

Cameron Diaz und Justin Timberlake sind sich wieder grün: Bei der Premiere von „Shrek der Dritte“ stahlen sie allen die Schau

Andreas Conrad

Roter Teppich? Kann ja jeder. Grün dagegen steht nicht allen, nicht mal, wenn man nur darauf herumtrampelt. Aber bei der Gala für einen Oger ist grüner Bodenbelag Pflicht, das wussten auch die Dekorateure der Premiere von „Shrek der Dritte“, die gestern spätnachmittags unterm Sony-Zelt am Potsdamer Platz über die Bühne lief. Und sie hatten auch – Kenner der Shrek-Saga wissen, warum – dem Kinoeingang eine Ahnung von Königsschloss vermittelt, mit Pappzinnen und -türmchen, davor eine zweite Mauer mit Tor. In dem stand ein shrekgrünes Familienauto, ein Touran EcoFuel des Sponsors VW, ein Shrek zuliebe offenbar umweltverträgliches Fahrzeug, aus dessen Auspuff wohl nur reiner Sauerstoff quillt und in dem Stars wie Antonio Banderas oder Esther Schweins vorgefahren wurden – ein Anblick, den man in dieser Konstellation nur selten hat.

Tags zuvor war Paris dran, am Montag wird in London gefeiert, zwischendrin lag der Berlin-Termin im Cinestar, durch dessen Foyer das Publikum und vor allem dessen zahlreich mitgeführter Nachwuchs die verteilten Oger-Masken und -Ohren zur Schau trugen. Doch anders als an der Seine war die Premierenreisegruppe um Dreamworks-Studioboss Jeffrey Katzenberg – mit Regisseur Chris Miller, Shrek-Synchronsprecher Mike Myers, Cameron Diaz alias Prinzessin Fiona und Antonio Banderas als gestiefeltem Kater – diesmal noch verstärkt um Justin Timberlake. Der war ohnehin gerade zum Singen nach Berlin gekommen und betrieb nun eben noch ein bisschen Reklame für seinen Nebenjob als Stimme des Thronfolgers Artie – und fand sogar Gelegenheit, einen Blumenstrauß, den seine ehemalige Freundin Diaz soeben erhalten und gleich symbolträchtig an ihn weitergereicht hatte, ihr postwendend und ebenso anspielungssreich zurückzuschenken. Und dann gab es natürlich noch die deutschen Sprecher, Sascha Hehn für die Titelrolle, Esther Schweins für die Prinzessin, Marie-Luise Marjan als Königin und Benno Fürmann als Kater.

Der wirkte gestern stimmlich etwas angeschlagen, entschuldigte seine Heiserkeit auf einer nachmittäglichen Pressekonferenz mit anderen Filmarbeiten, „bei denen es ein bisschen hoch hergeht“ – seit Montag dreht er in Babelsberg „Speed Racer“. Aber verstanden haben alle Anwesenden wohl doch, dass er sich keine Sorgen darum macht, der Shrek-Reiz könne sich allmählich verbrauchen. Die „Ironisierung der Märchen“, die Vermischung des Historischen mit dem Zeitgenössischen bietet für ihn noch jede Menge Stoff. Das ist auch gut so, denn dass es mehr von Shrek geben soll, steht fest. Im vierten Teil müsse der Oger mit „etwas sehr Schwierigem aus seiner Vergangenheit“ fertig werden, munkelte Katzenberg.

Ein Goldesel also, dieser Shrek, auch für die Riege der internationalen Stars, die da schon den majestätischen Marmorsaal des Palais am Festungsgraben, Ort der zweigeteilten Pressekonferenz, verlassen hatten. Ein munterer Haufen, fest entschlossen, auch der Fragestunde eine komödiantische Note zu geben. So feixten, kasperten und kicherten sie ausgelassen herum, wedelten sich selbst und wechselseitig mit den ihnen zur Verfügung gestellten Fächern zu, und Myers stieg sogar, als eine Reporterin sich immer höher aus ihrem Stuhl erhob, erst auf den Stuhl, dann auf den Tisch, um sich anschließend immer kleiner zu machen und zuletzt unter dem Tisch zu verschwinden.

Ja, das war schon lustig, machte es aber für Justin Timberlake schwer, mit einer mal ernsthaften Antwort gegen das Fächergewedel zu bestehen: dass er stolz sei auf die Rolle des Artie, der ein Vorbild sein könne für die jungen Zuschauer. Seine langjährige Freundin Cameron Diaz, seit Jahresbeginn die ehemalige, saß nur drei Plätze weiter, und natürlich kamen Fragen, die verkappt auf das Miteinander zwischen Ex und Ex zielten. Und ebenso erwartbar haben beide dies abgeblockt und beteuert, sie seien jetzt „sehr gute Freunde“, ansonsten taten sie herumalbernd so, als sei es das Natürlichste der Welt. Sind eben gute Schauspieler.

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