Botanischer Garten : Prächtige Aussichten

Der Frühling treibt’s bunt im Botanischen Garten. Dort ist die Jahreszeit gleich auf mehreren Kontinenten angebrochen.

Heidemarie Mazuhn
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Nun hat er es doch noch geschafft: Der Frühling ist da. Zaghaft hat er das Zepter übernommen, Krokus, Primel und Co. strecken hier und dort die Köpfchen raus. Im Botanischen Garten legen sich sogar schon die Osterglocken ins Zeug. Die Zaubernuss wartet dort seit Dezember auf wärmere Temperaturen, kann sie doch dann ihren Zaubertrick vorführen: Bei Kälte rollt sie ihre gelben oder roten Blütenblätter einfach auf. Die Magnolien sind lieber vorsichtig und trauen dem hiesigen Kalenderfrühling erst mal noch nicht. Sie tragen noch ihren wärmenden Pelz – mit den behaarten Knospenschuppen schützen sie ihre traumhaft schönen Blüten.

Andere Frühlingsboten zeigen dafür schon umso lieber ihre Pracht – kunterbunt blühen auf dem Kaukasus-Areal des Gartens die Karnevalsprimeln, während sich in „Sibirien“ die Amur-Adonisröschen mit ihren riesigen gelben Blüten als künftige Landeplätze für Hummeln empfehlen.

Im Mittelmeerhaus kann man unter anderen eine Verwandte der Erbse kennenlernen – die gelb blühende Currunilla, auch als Strauch-Kronwicke bekannt. Hell lila bis purpur zeigt sich der Storchenschnabel aus Madeira in aktuellen Modefarben. Alpenveilchen, blühender Rosmarin, Dornginster und Zistrosen arrangieren sich in zarten Tönen, während der weiß blühende Styrax officinalis vor allem mit seinem unglaublich prächtigem Duft punktet. Weiß prunkt auch die echte Baumheide. Raucher sind mehr an ihrer Wurzel interessiert – eine Pfeife aus deren Holz hat keinen Geschmack.

Auf dem Kanaren-Areal grüßen verschiedene Natternkopfarten knallrot, blau und weiß aus dem Grün. Die Kanaren-Glockenblume, die Nationalblume der Inseln des ewigen Frühlings, hat sogar schon ausgeblüht. Der „Wildprets Natternkopf“ dagegen schiebt sich gerade hoch zu einer roten Blütenkerze. Bis zu drei Meter groß kann sie werden.

Rüber zum australischen Themengebiet: Dort lassen Würzgewächse wie Eukalyptus den Frühling ätherisch duften, leuchten Akazien gelb und die Ruhmesblume rot aus dem Gesträuch. Die Speerblume ist eine Verwandte der Agaven. Im Botanischen Garten treibt sie es gerade auf die Höhe: Auch sie entwickelt einen meterlangen Blütenschaft. „Hoffentlich blüht sie zu Ostern“, sagt Gesche Hohlstein, die Pressesprecherin des Botanischen Gartens. In welcher Farbe sich das exotische Gewächs in diesem Frühling staunenden Besuchern präsentieren will, konnte die junge Diplom-Biologin nicht voraussagen. „Das überlegt sie sich immer noch“, scherzt die Expertin, um sogleich vom duftenden Nektar zu schwärmen, mit dem die südafrikanische Paradiesvogelblume – auch als Strelitzia bekannt – die Tierwelt in der südafrikanischen Heimat betört.

Der Frühling hat’s also doch schon drauf – auch wenn seine Macht erst einmal beschränkt ist. Aber man kann ihm ja auch entgegenkommen – bis zum Botanischen Garten beispielsweise.

Botanischer Garten: Geöffnet täglich von 9–18 Uhr, Eingänge: Königin-Luise-Platz (Bus 101, X83), Unter den Eichen (Bus M 48). Eintritt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder bis sechs Jahre frei.

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