Boulevardtheater : Tränen in der Komödie am Ku'damm

Ein Ku’damm-Theater wird überleben, aber schon gibt es neue Probleme: Für den Umbau wird eine Ausweichspielstätte gesucht Immerhin zeigt der irische Investor Verständnis für die Belange der beiden Traditionshäuser von Martin Woelffer

Cay Dobberke
Kudammbühnen Foto: dpa
Vater und Sohn. Direktor Martin Woelffer (rechts) und sein Vater Jürgen Woelffer vor der traditionsreichen "Komödie am...Foto: dpa

Bei einer Betriebsversammlung am Dienstag sollen sogar Tränen geflossen sein. Die Zukunft ist aber auch bitter: Die Komödie wie auch das Theater am Kurfürstendamm sollen in etwa zwei Jahren abgerissen werden. Immerhin, im Ku’damm-Karree ist als Ersatz ein Theaterneubau geplant – mit historischem Dekor. Das gaben Theaterintendant Martin Woelffer und sein Vater Jürgen Wölffer am Mittwoch gemeinsam mit Vertretern des irischen Investors Ballymore Group bekannt. Die Vereinbarung sei ihm schwer gefallen, sagte Martin Woelffer: „Wir stehen eigentlich für die Erhaltung beider Theater“, der Verzicht auf eine Spielstätte und die alten Säle sei „bitter“.

Schuld an der Situation sei nicht die Investorenfirma, die das Ku’damm Karree nach mehreren Eigentümerwechseln vor rund einem Jahr gekauft hatte. Den Bühnen habe vor allem die Unterstützung des Senats gefehlt, kritisierte Martin Woelffer: „Der ausdrückliche Wille, beide Häuser in ihrer heutigen Form unbedingt erhalten zu wollen, wurde von Seiten der Stadt nie ausgesprochen.“ Auch gebe es keine Subventionen. Finanziell stehe man „mit dem Rücken zur Wand“, wegen der unklaren Zukunft sei besonders die Zahl der Kartenabonnenten stark gesunken.

Jürgen Wölffer, der die Boulevardtheater 40 Jahre lang bis 2004 geführt hatte, lobte den Investor: „Wir können uns keinen besseren Partner wünschen.“ Ballymore-Vertreter nannten den Theaterbetrieb „ein Herzstück“ ihrer Pläne. Beide Bühnen können bis zum Umbau mietfrei weiter bespielt werden, später soll ein Vertrag über 20 Jahre folgen. Insgesamt will das Unternehmen eine halbe Milliarde Euro ins Ku’damm-Karree investieren. Bisher gebe es nur „erste Ideen“ und keine Entwürfe, betonten die Manager. Zum Projekt gehören Läden und Büros. Auch ein Hotel und Wohnungen gelten als „nicht ausgeschlossen“.

Das neue Theater soll in der ersten Etage gebaut werden, aber am Ku’damm einen Eingang im Parterre erhalten. Geplant sind 650 Sitzplätze – also mehr als in der Komödie (600 Plätze) und weniger als im Theater am Kurfürstendamm (807 Plätze). Martin Woelffer hofft, einen „großen Teil“ der Arbeitsplätze erhalten zu können. Derzeit gebe es 80 festangestellte Mitarbeiter, außerdem würden jährlich mehr als 70 freischaffende Schauspieler beschäftigt.

Mit der Bühnengestaltung hat Ballymore das auf Theaterbauten spezialisierte Londoner Büro „Arts Team“ beauftragt. Es will eng mit Martin Woelffer und seinem Vater zusammenarbeiten, die offiziell als Berater fungieren – etwa bei der Frage, wie viel von der alten Einrichtung übernommen wird. Laut Ballymore geht es um eine modern ausgestattete Bühne, die sich zugleich an den Konzepten des berühmten Theaterarchitekten Oskar Kaufmann orientiere. Dieser hatte die alten Spielstätten in den 20er Jahren für Max Reinhardt entworfen.

Frühestens 2010 sollen die Umbauten beginnen. Woelffer rechnet mit einer dreijährigen Schließungsphase. Für diesen Zeitraum suchen er und die Kulturverwaltung einen Ausweichstandort. Noch sei aber kein geeignetes Haus in Sicht, teilte die Verwaltung mit. Das Steglitzer Schlosspark-Theater, an dem Martin Woelffer vor Monaten Interesse gezeigt hatte, ist jedenfalls anderweitig vergeben: In einer Senatsausschreibung bekam der Schauspieler und Kabarettist Dieter Hallervorden den Zuschlag.

Für die Ku’damm-Bühnen wurden seit Ende 2005 fast 200 000 Unterschriften gesammelt. Otfried Laur vom Berliner Theaterclub kündigte im Namen der 26 000 Mitglieder an, man werde sich „mit aller Macht gegen den Abriss wehren“. Die CDU-Fraktion bedauert einen „schweren Verlust“. Die Grünen-Kulturexpertin Alice Ströver wirft der Landesregierung „Versagen“ vor: Der Denkmalschutz sei verweigert und eine Nutzungsbindung für die Theater 1998 „für läppische vier Millionen Euro“ an den damaligen Eigentümer verkauft worden.

Trotz der weltweiten Finanzkrise stehe das Bauprojekt nicht in Frage, betont Ballymore. Rein finanziell gesehen „könnten wir sofort anfangen“. Das Unternehmen betreut derzeit 40 Bauprojekte, vor allem in Europa. Besonders aktiv ist Ballymore in den Londoner Docklands.

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