''Brangelina'' : Lebe lieber unauffällig

Warum sich nicht nur Brad Pitt und Angelina Jolie für einen Wohnsitz in der Hauptstadt interessieren.

Elisabeth Binder
Brangelina Foto: dpa
Dem Lockruf Berlins gefolgt? Brad Pitt und Angelina Jolie. -Foto: dpa

„Berlin, ich komm zu dir...“ Um einen spontanen Song über Berlin gebeten, fiel Herbert Grönemeyer im Interview mit dem Tagesspiegel spontan diese Liedzeile ein. Seine erste Heimat sei Berlin, bekannte er, denn in Berlin habe er die meisten Freunde.

Berlin als erste Heimat liegt im Trend bei den Stars. Dass viele Hollywood-Größen wie Michael Douglas oder jetzt Tom Cruise mal für ein paar Monate hier drehen und leben, gehört schon zur neuen Normalität der Stadt. Einmal auf den Geschmack gekommen durch Kurzaufenthalte bei Filmpremieren oder bei der Berlinale, gibt es aber auch eine neue Lust am Bleiben. Gut möglich, dass Brad Pitt und Angelina Jolie, die sich offenbar auf Dauer hier niederlassen wollen und zu diesem Zweck bereits eine Dachgeschosswohnung in Mitte und ein Grundstück im Süden der Stadt erstanden haben sollen, da nur besonders auffällige Pioniere sind.

Und warum auch nicht? Das größte Problem an Berlin ist aus Hollywood- Sicht vermutlich die Sprache Deutsch. Aber in den Kreisen, in denen Stars verkehren, unter Künstlern, Architekten, Intellektuellen, wird eh ganz selbstverständlich englisch gesprochen, und es gibt auch genug internationale Schulangebote. Der Umzug der Botschaften von Bonn nach Berlin hat zum Ausbau einer internationalen Infrastruktur erheblich beigetragen. Es ist leicht, in Berlin heimisch zu werden, eine offene Gesellschaft und ein entspanntes, von Gelassenheit geprägtes Klima tragen dazu erheblich bei. Der Musiker Rufus Wainwright fand hier sogar seine große Liebe und dichtete ein Lied darüber. Schauspieler Rupert Everett fühlt sich offenbar ebenfalls angezogen. Auch deutsche Stars ziehen wieder gern hierher, unter anderem Komiker Hape Kerkeling und Star-Bariton Thomas Quasthoff.

Der entscheidende Vorteil Berlins liegt im Atmosphärischen. Die Musiker David Bowie und Iggy Pop, die schon vor über dreißig Jahren nach Schöneberg in die Hauptstraße zogen, haben das besonders früh erkannt. Nach vielen Jahren des Hochdruck-Lebens in den USA sei es entspannend für ihn gewesen, in eine Stadt zu kommen, wo man relativ wenig Notiz von ihm nahm, erinnerte sich Bowie später. Die Mentalität sei ähnlich wie in New York. Die Leute kümmerten sich um ihre eigenen Sachen und empfänden es nicht als etwas Besonderes, einem berühmten Menschen auf der Straße zu begegnen – oder in einem der Straßencafés. Die urbane Lebensqualität, die es auch Prominenten gestattet, ein relativ normales Leben im öffentlichen Raum zu führen, ausgiebig durch Museen und Ausstellungen schlendern zu können, nachts in schrägen Clubs zu tanzen und immer die Auswahl zu haben aus einem breit gefächerten Konzertangebot, wirkt attraktiv.

Gerade Künstler wissen ein großes Kulturangebot zu schätzen. Die noch nicht etablierte Avantgarde liebt Berlin, weil im Vergleich zu anderen Metropolen die Lebenshaltungskosten günstig sind. Und diese jungen Künstler tragen entscheidend bei zu dem kreativen Flirren, das einst Markenzeichen von Metropolen wie London, Paris oder New York war. Stars, die sesshaft werden, brauchen keine Angst vor der Einsamkeit zu haben. Seitdem hier mehr internationale Filme gedreht werden, gibt der Wanderzirkus der Stars regelmäßig Gastspiele und also Gelegenheit mit wechselnden alten Freunden Partys feiern zu können. In Berlin kann man zur Ruhe kommen und in Bewegung bleiben. Elisabeth Binder

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