Bühne : Nach dem letzten Vorhang

Letzer stehender Beifall für alle im Wintergarten.

Wintergarten Reinhardt
Frank Reinhardt. -Foto: Thilo Rückeis

Der letzte Vorhang fiel hinter der ukrainischen Artistengruppe „Sea World“. Sie beendete am Sonnabend die letzte Vorstellung im Wintergarten Varieté. Stehender Beifall belohnte die Künstler von „Orientalis“. Er galt nicht nur der letzten Show im legendären Haus, sondern vor allem allen Mitarbeitern, mit denen das Publikum mitfühlte. Dazu gehören an diesem traurigen Abend auf der Bühne neben den Artisten auch die Mitarbeiter des insolventen Varietés. Diesen gedankt und alles Gute für die Zukunft gewünscht hatte der sichtlich bewegte Geschäftsführer Frank Reinhardt vor Beginn der Show, deren überwiegend touristischen Besucher dadurch teilweise überhaupt erst von der Schließung erfuhren. Daheim werden sie von dem nostalgisch-prächtigen Vergnügungsetablissement in Berlin erzählen, dessen Sternenhimmel 1992 als Reminiszenz an die große Zeit des alten Wintergartens zu funkeln begann. Und viele werden sich dabei nochmal wie Sonnabend wundern, „dass so ein schönes Haus nicht läuft“.

Was der Vermieter stattdessen in dem Varieté-Theater in der Potsdamer Straße etablieren könne, kann sich am Sonnabend nicht nur Christoph Stölzl überhaupt nicht vorstellen. Zur letzten Wintergarten-Vorstellung ist er das einzige bekannte Gesicht im Publikum, zu dessen Premierenbesuchern mit den Raus einst auch die Familie eines Bundespräsidenten zählte. Stölzl selbst ist dienstlich da – der ehemalige Kultursenator bessert seine Pension mit einer täglichen Zeitungskolumne auf.

Womit sich die Wintergarten-Mitarbeiter ihr künftiges Arbeitslosengeld aufbessern, steht in den Sternen. Noch hoffen Kaspar Denker und die übrigen der Mitarbeiter-Initiative „Hurra, wir leben noch“, dass sie es schaffen, das Haus zu retten. Der Senat für Wirtschaftsförderung habe wohlwollendes Interesse bekundet und eine denkbare Ko-Finanzierung — vorausgesetzt, man fände Investoren.

Frank Reinhardt kennt welche. Es gibt Investoren, sagt der Kapitän des versunkenen Vergnügungsdampfers, an dessen letztem Tag er braungebrannt aus wochenlanger Versenkung auftauchte. Was diese abschreckte, seien 38 000 Euro Miete und 68 festangestellte Leute. Um die braucht sich Reinhardt nun nicht mehr zu sorgen und um Arbeitslosengeld für sich wohl auch nicht. Der ehemalige Geschäftspartner von Peter Schwenkow hat genug Eisen im Feuer. hema

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