Bürgerempfang : Schloss der guten Taten

Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina empfingen in Bellevue engagierte Bürger – darunter auch Berliner und Brandenburger, die sich in den verschiedensten Bereichen für ein besseres Miteinander eingesetzt haben.

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Plausch in Bellevue.
Plausch in Bellevue.Foto: REUTERS

Wenn es darum geht, Angela Merkel und ihr Kabinett live zu fotografieren, quetschen sich auch sehr verdiente Honoratioren schon mal auf die Pressetribüne. Zum ersten Mal empfingen Bundespräsident Christian Wulff und Frau Bettina verdiente Bürger und politische Repräsentanten zum traditionellen Neujahrsdefilée im Schloss Bellevue. Die Stimmung war gelöst bis heiter. Besonders nach dem aufregenden Händedruck fühle es sich sehr entspannt an, fand Christel Stöckmann aus Rathenow in Brandenburg. Die 72-Jährige war dabei, weil sie sich seit ihrer Jugend vielfältig in der Evangelischen Gemeinde engagiert. Zu DDR-Zeiten bedeutete das den Verzicht auf ihren Berufswunsch Lehrerin. Weil sie kirchlich gebunden war, musste sie die Schule nach der 8. Klasse verlassen. Sie ist bewusst in der DDR geblieben, wollte mit offenen Karten spielen und hat dafür Nachteile in Kauf genommen.

Auch Michael Heinisch sah sich nach dem eigenen Auftritt das Defilée aus der Nähe an, beobachtete interessiert, wie der Präsident Mitbringsel immer rasch an eine Mitarbeiterin weitergab, um die Hände frei zu haben. Als evangelischer Sozialdiakon setzte auch er sich schon vor 1989 für gefährdete Kinder und Jugendliche in Lichtenberg ein, für Punks, Skinheads und andere, die sich dem Anpassungsdruck zu widersetzen suchen. „Viele dieser Jugendlichen haben keine Vision für die Zukunft“, sagt er. Eine solche Vision zu entwickeln, sei schwer, aber nicht unmöglich: „Es gelingt immer wieder.“

Hong Za Dörge ließ sich auch auf der Pressetribüne fotografieren, weil sie ihr Leben dokumentieren will. Die gebürtige Koreanerin kam 1967 als Krankenschwester nach Berlin und heiratete den Violinisten des Orchesters der Deutschen Oper Berlin, Albin Dörge. Eingeladen war die Hobby-Sängerin, weil sie seit vielen Jahren Gastspiele und Konzerte koreanischer Künstler in Berlin organisiert. Ganz stolz ist sie auf ihre Tochter Caroline, die Konzertpianistin geworden ist.

Mit Klaus-Dieter Berndt aus Oranienburg hatte das Defilée der Bürger um kurz nach zehn begonnen. Der Verkehrspolizist war ebenfalls schon zu DDR-Zeiten in der Prävention von Unfällen engagiert. Verkehrssicherheit ist ihm auch deshalb so ein wichtiges Anliegen, weil er oft Zeuge wurde, wie Kinder Opfer von Unfällen wurden: „Und die können ja wirklich nichts dafür.“

Sophie Haebel hingegen engagiert sich in Potsdam für den Klimaschutz und ist glücklich, dass dieser Einsatz bei Politik und Verwaltung willkommen ist. Die Chemikerin ist Mitbegründerin des Energieforums Potsdam. Sie benutzt fast nur Energiesparlampen.

Gabriela Schrader kümmert sich in Beelitz um Sorgenkinder im Alter zwischen 7 und 15 Jahren. Die Heilpädagogin ist selber Mutter von vier Kindern, hilft bei den Hausaufgaben, organisiert Essensspenden von den Spargelhöfen und legt Wert darauf, dass die Kinder sich trotz unterschiedlich ausgeprägter Kenntnisse und Talente gegenseitig respektieren.

Während die Politiker wieder in den Alltag entschwanden, durften die Bürger noch mit dem Bundespräsidenten und seiner Frau zu Mittag essen. Für sie war es, wie die aus Ravensburg angereiste Franziskanerin Gudrun Härle sagte, „ein ganz toller Tag“.

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