Bundespresseball : Drei Damen mit Thrill

Zwischen Pop und Politik: Schmusig, rockig, soulig präsentieren sich Annett Louisan, Inga Rumpf und Jocelyn B. Smith. Der Bundespresseball singt und swingt mit 2500 Gästen im Interconti.

Sebastian Leber

Vergangenes Jahr füllte sie das Schiller-Theater bis auf den letzten Platz. Und zwar an vier Abenden hintereinander. Das Konzert nächste Woche im Tempodrom ist natürlich auch schon ausverkauft. Annett Louisan ist längst ein echter deutscher Popstar – und nicht mehr nur „die kleine Lolita mit der Elfenstimme, für die mich manche immer noch halten“. Das wollte die 30-Jährige gestern beim Bundespresseball beweisen, bei dem sie Stargast war – zusammen mit Rocksängerin Inga Rumpf und Souldiva Jocelyn B. Smith.

Dabei begann Annett Louisans Karriere vor vier Jahren mit einem Missverständnis. „Ich will doch nur spielen“, sang die Hamburgerin, und viele dachten, die 1,52 Meter kleine Frau mit den riesigen Augen hätte nicht mehr zu bieten als dahingehauchte Schmusesongs. Doch Annett Louisan kann stimmlich so ziemlich alles: charmant und knallhart sein, schmeicheln, trauern, ärgern, wüten. Meistens vergisst sie dabei das Augenzwinkern nicht: „Der kleine Unterschied“ heißt ihr neues Lied, es ist der Soundtrack zur Geschlechterkomödie „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“, die Anfang Dezember ins Kino kommt. Sehr wahrscheinlich, dass ihren sieben Goldenen Schallplatten und dem Echo bald weitere Auszeichnungen folgen werden. Kleine Menschen werden eben gerne unterschätzt, grinst Louisan.

Die andere Frau des Abends unterschätzt schon lange keiner mehr: Inga Rumpf, 61, hat den Titel „Deutschlands erste Rocksängerin“ sicher. Seit 40 Jahren steht sie auf der Bühne, früher mit Bands wie Frumpy oder Atlantis, heute solo. Ende der Sechziger hat Udo Lindenberg in ihrer Band The City Preachers gespielt, damals noch ohne Hut und mit vollem Haar. Tina Turner coverte einen ihrer Songs. Eigentlich mag Inga Rumpf heute eher Soul und Gospel, häufig tritt die Hamburgerin in Kirchen auf. Sie singt mit dem lieben Gott, hat jemand Kluges über ihre Konzerte geschrieben. Trotzdem wollte sie im Interconti keine Besinnlichkeit aufkommen lassen. Im Gegenteil: „Auf dem Bundespresseball gibt es genug Gelegenheiten für gemächliches Tanzen. Bei mir wird garantiert gerockt.“ Und zwar nicht nur zu ihren eigenen Liedern aus der Atlantis-Zeit, sondern auch zu Klassikern von James Brown, Stevie Wonder und den Rolling Stones. Auch „Angie“ will sie spielen, als Gruß an die Kanzlerin.

Bei einigen Stücken sollte ihr Jocelyn B. Smith auf der Bühne aushelfen – die New Yorker Sängerin, die vor 21 Jahren nach einem Auftritt in Berlin spontan entschied, hierzubleiben und die Stadt zu ihrem Lebensmittelpunkt zu machen. International bekannt wurde Smith bei der Berliner Trauerveranstaltung für den 11. September 2001. Da sang sie vor mehr als 200 000 Menschen „Amazing Grace“, CNN übertrug live in alle Welt. Trotz ihrer Popularität auch in den Staaten will sie Berlin aber nicht mehr verlassen. „Ich habe hier die Möglichkeit, einen besonderen kreativen Kulturprozess zu erleben“, sagt sie. Das will sie nicht missen. Und auch das Quasimodo nicht, den Jazzclub, in dem sie genauso gerne auf der Bühne steht wie davor. „Mein Wohnzimmer“ nennt sie den Laden.

Inga Rumpf und Jocelyn B. Smith sind Freundinnen, musikalisch verstehen sich die beiden sowieso. Ihre oberste Regel lautet: Wir lassen uns nicht auf bestimmte Stilrichtungen festlegen. Jocelyn B. Smith ist ein musikalisches Chamäleon, mischt Jazz mit Gospel, Funk, Ethno und Klassik. „Musik ist immer ein offener Garten für mich“, sagt sie. „Da gibt es stets etwas Neues zu entdecken.“ Inga Rumpf hat sogar schon gerappt. „Das hat James Brown schließlich auch gemacht. Er war der erste Rapper überhaupt.“ Nur mit Techno hat Inga Rumpf noch nie experimentiert. „Das werde ich auch nicht. Das überlasse ich getrost den Jüngeren.“

Eines ihrer schönsten Erlebnisse als Musikerin war das Jammen mit Keith Richards. Das war 1988, Rumpf besuchte gerade London, und der Stones-Gitarrist wollte sie unbedingt kennenlernen. Also lud er sie in den Proberaum, er hatte extra zwei Kästen deutsches Bier und einige Whisky-Flaschen gekauft, Ron Wood war auch da. „Richards ist ein sehr höflicher, zuvorkommender Mensch“, sagt Inga Rumpf. Nach der Jamsession kam er auf sie zu und lobte, wie toll sie improvisieren könne. Das habe er noch bei keinem Sänger erlebt – nicht nur ein schönes Kompliment, sondern auch ein kleiner Seitenhieb auf Richards’ ewigen Rivalen Mick Jagger.

So etwas steht zwar noch nicht in Annett Louisans Biografie. Aber immerhin stammt ihr neuer Song „Der kleine Unterschied“ aus der Feder des großen Bandleaders und Arrangeurs James Last. Das Lied wollte sie auf dem Ball singen. Wer von Louisans Auftritt begeistert ist: Nächsten Februar kommt die Sängerin erneut ins Tempodrom. Ein paar Karten gibt es noch.

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