Bundespresseball : Paar excellence

Neben authentischen Berichten über das Innenleben der Politik interessierte beim 56. Bundespresseball vor allem die Frage: Wer kommt mit wem?

Matthias Oloew
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Wolfgang Tiefensee mit seiner Lebensgefährtin Annette Bender -Foto: ddp

BerlinEigentlich ist Pas de deux als Motto alles andere als inspiriert. Aber die Regisseure des Bundespresseballs hatten offenbar bei der Wahl des Titels viel stärker ein Gefühl für aktuelle Themen als zunächst gedacht. Denn neben einem ebenso aktuellen wie möglichst authentischen Zustandsbericht über das Innenleben der großen Koalition interessierte die Gesellschaft am Freitagabend im Hotel Intercontinental vor allem eine alte aber immer interessante Frage: Wer kommt mit wem?

Das ein oder andere Paar hatte es ja in den letzten Wochen auf die Titelseiten der Buntpresse geschafft. Aber gerade von denen zeigte sich niemand. Dass ZDF-Moderatorin Maybrit Illner und Telekom-Chef Rene Obermann schwänzen, war schon zeitig klar; aber auch Anne Will und ihre Freundin Miriam Meckel ließen das Ereignis wegen des zu erwartenden Tumults um ihre Personen aus.

Also fiel einem anderen neuen Paar die Rolle als Gesprächstoff zu: Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und seine neue Lebensgefährtin Annette Bender. Als er erfuhr, dass Anne Will kneift, schwante ihm, was der Abend bringen wird - und schien es ein bisschen zu genießen. Werner Gößling, als Vorsitzender der Bundespressekonferenz der Gastgeber, hatte jedenfalls seine Mühe, den Minister und seine Begleitung an den zahlreichen Journalisten und Kamerateams vorbei rechtzeitig in den großen Saal zu bekommen, wo Bundespräsident Horst Köhler mit Ursula Gößling Walzer tanzend den Ball eröffnete.

Pas de deux hatten die Dekorateure mit schwarz und weiß umgesetzt, in das sie nicht nur den Saal , sondern auch die Foyers tauchten. Über den Austern tanzte eine Eisskulptur. Ball-Organisator Alfred J. Gertler und Hotel-Chef Willy Weiland waren zufrieden mit dem enormen Aufwand für die Dekoration und probierten schon die ein- oder anderen leckeren Kleinigkeiten, die den 2500 Gästen, wenn sie nicht einen der wenigen Sitzplätze an den Tischen im Saal ergattert hatten, an den zahlreichen Gourmet-Ständen der einzelnen Spitzenköche probieren konnten. Thomas Kammeier, Küchenchef im Interconti, konzentrierte sich mit seinem Team derweil komplett auf das Menü für die Gäste im Saal.

Dass auch in diesem Jahr die Kanzlerin den Ball ausließ, erklärte Kanzleramtsminister Thomas de Maizière so: "Sie hat jetzt 18 Mal abgesagt, warum sollte sie beim 19. Mal zusagen?" Und außerdem: "Es ist doch Tradition, dass sie nicht kommt, darauf können sich alle einstellen." Ihren Namen werden die Veranstalter also auch für das kommende Jahr nicht auf die Gästeliste setzen können.

Dafür kam Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, bekennender Ball-Fan, und Guido Westerwelle, obwohl er keinen einzigen Tanzschritt beherrscht: "Deshalb ist die Damenwelt auch sehr froh, sich diesem körperlichen Risiko nicht aussetzen zu müssen." Das gilt dann wohl auch für Westerwelles Freund Michael Mronz. Zum zweiten Mal tauchte Franziska van Almsick an der Seite ihres Lebensgefährten Jürgen Harder auf: "Letztes Jahr dachte ich: Das wird eine Katastrophe hier, aber am Ende war's ganz nett." Musikalisch stehe sie nämlich eher auf R'n'B statt Foxtrott und Walzer. Berlin vermisse sie übrigens nicht: "Ich fühle mich wohl im beschaulichen Heidelberg."

Im Getümmel zwischen Jette Joop, Klaus Wowereit, Regina Ziegler, Ulrich Deppendorf, Annett Louisan und SPD- Generalsekretär Hubertus Heil fielen ausgerechnet dem stellvertretenden FDP- Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle die Grünen ein, die wegen ihres Parteitags in Nürnberg am Freitag komplett fehlten. Dafür war Bundesjustizministerin Brigitte Zypries ebenso mit von der Partie wie Rekord-Außenminister Hans- Dietrich Genscher.

Und mittenmang auch wieder "Bericht-aus-Bonn"-Legende Friedrich Nowottny. Er sei immer noch sehr gespannt auf den Bundespresseball, auch wenn er in seiner Karriere schon so viele davon besucht habe, sagte er: "Ich freue mich immer auf die Gespräche mit den Kollegen, die noch im Amt sind" - und dafür sei das Motto das Abends am Ende nicht so wichtig. Pas du tout.

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