Bundestagswahl : "Horst Schlämmer" - Beim Schnauzer des Kandidaten

Jenseits von Grevenbroich: Hape Kerkeling feiert am Potsdamer Platz die Filmpremiere von "Horst Schlämmer – Isch kandidiere“. Die Hauptkonkurrenten Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier standen nicht auf der Gästeliste.

Andreas Conrad
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Küsschen von der First Lady. Horst Schlämmer mit Alexandra Kamp. -Foto: dpa

Es gibt in Berlin weder eine Grevenbroichstraße noch einen entsprechenden Platz. Nichts weist hier auf die niederrheinische Kleinstadt hin, vielleicht bald schon ein schlimmer Mangel, sollte sich Horst Schlämmer, als Kanzlerkandidat schnauzbärtiger Herausforderer von Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier, am Wahlsonntag durchsetzen und wie angekündigt Grevenbroich zur neuen Bundeshauptstadt erheben. In dieser Gemeinde, die sich seit einigen Jahren wegen der nahen Braunkohlegruben ohnehin bereits „Bundeshauptstadt der Energie“ nennt, gibt es seit langem eine Berliner Straße, wir kämen also hier um eine vergleichbare Würdigung kaum herum. Es böte sich sogar ein passender Ort an: der Potsdamer Platz oder doch zumindest die Fläche unterem Sony-Zeltdach, wo Horst Schlämmer bei einer als Filmpremiere im Cinestar nur notdürftig kaschierten Wahlkampfveranstaltung am Montagabend vors Wählervolk trat.  Titel des Films: natürlich „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“.

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17.08.2009 21:09"Horst Schlämmer - Isch kandidiere". Am Potsdamer Platz wird ein ganz besonderes Ereignis vorbereitet. -



Ein für Schlämmers Doppelgänger Hape Kerkeling und seinen Regisseur und Lebensgefährten Angelo Colagrossi etwas beengter Auftritt. Schließlich ist für einen roten Teppich von gewohnten Ausmaßen durch die „Vattenfall Energie Arena“ im Sony-Center, eine Veranstaltung am Rande der Leichtathletik-WM, kein Platz. So blieb für die Stars, Kerkeling eben, Colagrossi und die ebenfalls gekommenen Darsteller Alexandra Kamp als künftige First Lady, Simon Gosejohann, Maren Kroymann und Norbert Heisterkamp nur der Nebeneingang von der Bellevuestraße aus – ein arges Handicap im Ringen um Wählersympathie. Immerhin prangte Schlämmers Konterfei, wie es sich für einen deftigen Wahlkampf gehört, gleich zehn Mal überm Kinoeingang. Und zwei Mal konnte man ihn dann noch überlebensgroß bewundern.

Die Hauptkonkurrenten Merkel/Steinmeier standen nicht auf der Gästeliste, es kam aber Politprominenz, um sich einiges abzugucken. Gregor Gysi (Linke) schritt erwartungsfroh über den roten Teppich, die Obergrünen Claudia Roth und Cem Özdemir waren da, vielleicht ein Hinweis auf eine mögliche Koalition, sollte Schlämmer die absolute Mehrheit verfehlen. Beide hatten aber noch einen anderen guten Grund: Sie standen am Set vor der Kamera und spielen sich als Politiker in Konkurrenz zu Schlämmer quasi selbst. Ebenso die aufmüpfige ehemalige bayrische CSU-Landrätin Gabriele Pauli, die jüngst die Freie Union gründete. Deshalb war auch Pauli bei der Premiere dabei. Und natürlich Kulturprominenz von Schauspielerin Anna Thalbach und Model Eva Padberg über Sänger Gunter Gabriel bis zu Rapper Bushido, der sich im Film als Fan outet: Er singt einen Wahlkampfsong für die Schlämmer-Partei.

Zuspruch bekam Schlämmer gestern von unerwarteter Seite. „Sehr witzig und aufschlussreich,“ lobte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla den Film. SPD-Mann Steinmeier hatte dagegen nur vor den Problemen gewarnt, die dem möglichen Kanzler Schlämmer beim Empfang ausländischer Staatsgäste auf dem Großflughafen Grevenbroich drohen. 

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