Burleske Show : Teaserettes: Wenn die Köchin strippt

Erotik, Tanz, Klamauk? Kann doch jeder! In Prenzlauer Berg wird die Kunst der anzüglichen Show gelehrt.

Daniel Stender
261614_3_090304_teaserettes_US.jpg Foto: Uwe Steinert
Tänzchen am Tresen. Erste Lektion: Showgirls trinken Sekt. Für die Stimmung und für den Kreislauf. -Foto: Uwe Steinert

Der erotische Gang will gelernt sein – Sandy Beach macht es vor: wiegende Hüften, Finger an die Lippen. Eine Drehung um die eigene Achse, dann ein Klaps auf den Po: erst rechts, dann links. Etwas unsicher imitieren Stella, Marlen, Mini B und Mi die Bewegungen. Beim zweitägigen Workshop „How to become a showgirl in six steps“ gibt es jede Menge zu lernen. Sekt trinken zum Beispiel. Gut für Kreislauf und Stimmung. Lars, der Praktikant, serviert den Sekt.

Es ist bereits der dritte Workshop, den Sandy Beach – bürgerlich heißt sie Sandra Steffl – veranstaltet. Beim ersten Mal kamen 13 Frauen, die sich in ein Showgirl verwandeln wollten. Spätestens seit dem Erfolg von Dita von Teese sind burleske Shows angesagt. In Deutschland waren die „Teaserettes“ die Ersten, die den anzüglichen Tanz populär machten. Der Name „Teaserettes“ ist abgeleitet vom englischen Wort Teaser, was so viel heißt wie Anreiz. Rein optisch imitieren sie die Pin-ups der 50er Jahre: Große Augen, großer Ausschnitt, naive Posen. Für Sandy Beach geht es nicht nur um perfekte Körper: „Unsere Tänzerinnen sind dick, dünn, klein, groß, jung und alt.“ Humor sei wichtig: „Das ist nix für Spanner. Die Show muss auch ohne Ausziehen unterhaltsam sein.“ Burleske ist eine humorvolle Melange aus Tanz, Comedy und Striptease. Mit unechten Wimpern und Perücken. Geschnürten Wespentaillen und Highheels.

Der Workshop findet im „Roadrunners Club“ statt, einer Rock ’n’ Roll-Kneipe in Prenzlauer Berg. Über der Theke hängt eine Kettensäge, an der Wand gegenüber ein schweres Motorrad. Darunter üben die vier Teilnehmerinnen noch in Jogginghose und Turnschuhen. Jede hat ihre eigenen Ideen, wie sie auftreten will. Marlen aus Charlottenburg (27, Köchin) sieht sich als Vampirdame. Stella aus Wiesbaden (35, Kameraassistentin) will Flaschensammlerin sein, die unterm Mantel Korsage und Strumpfband trägt. Mini B aus Kassel (20, Tätowiererin) versteht sich als fieser Clown, während Mi aus Berlin (35, Referentin) „etwas mit Uniform“ machen will. Stewardess zum Beispiel. Und Lars? Lars serviert schon wieder Sekt. Für die Stimmung.

Mi, die ihren richtigen Namen nicht verrät, sieht die Rolle der sexy Stewardess als „Befreiung vom Bürojob“. Stella ist mit ihrem Freund extra angereist. Aufgeregt ist sie, hat sich zum ersten Mal die Nägel lackiert. Im Alltag macht sie das nicht. Auch ihr Freund ist aufgeregt: „Seit zwei Wochen redet er nur vom Workshop.“ Wichtigstes Utensil für den Auftritt ist der sogenannte Nippeldeckel. Eine über die Brustwarzen gestülpte Vorrichtung, an der Fransen hängen. Außerdem natürlich: Das Strumpfband. Perfekt, um anrüchige Accessoires zu verstecken. Zum Beispiel das Plastikmesser, mit dem Vampirdame Marlen ihr Opfer traktiert. Das Opfer namens Lars.

Am Abend schließlich sind die Bewegungen sicherer geworden, die Aufregung ist gestiegen. Beim Auftritt aber geht alles glatt. Mi alias Claire Berlin verliert einen Nippeldeckel, setzt ihn gekonnt wieder auf. Applaus, Gelächter.

Und Lars? Steht vor der Bühne und trinkt – ein kaltes Bier.

Die nächste Show der Teaserettes findet am Freitag, 6. März, 21 Uhr, im Roadrunners Club in der Saarbrücker Straße 24 in Prenzlauer Berg statt. Eintritt: 15 Euro.

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