Café Möhring : Schluss mit Tortenschlachten

Das letzte seiner Art: Café Möhring am Gendarmenmarkt musste schließen. Stattdessen soll ein Brauhaus kommen.

Bernd Matthies
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Ist Geschichte. Café Möhring. Foto: Heinrich

Draußen vor der Tür stoppen immer noch im Minutenabstand Gäste, Touristen überwiegend, und blicken verdutzt auf die Tafel. Mit Kreide hat jemand „Geschlossen!“ hingeschrieben, dort, wo seit 1992 täglich Torten und Sättigungsklassiker der deutschen Küche angeboten wurden. Das Café Möhring am Gendarmenmarkt, letztes Überbleibsel der einst legendären Kette, ist endgültig Geschichte.

Unerwartet kam dieser Schritt nicht. Bereits seit 1. Januar dieses Jahres hat der neue Pächter einen Mietvertrag: Es ist Josef Laggner, der allgegenwärtige Erfolgsgastronom (Lutter & Wegner, Gendarmerie). Er will in den Räumen ein bayerisches „Augustiner“-Brauhaus eröffnen. Doch sein Einzug verzögerte sich, weil der bisherige Pächter die Kündigung ignorierte und das Café weiter betrieb.

Erst ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom 6. Mai klärte jetzt die Sachlage. Peter-Maria Laduch, der technische Leiter des Konzerthauses, der das landeseigene Gebäude verwaltet, durfte jetzt das Wasser abstellen lassen und damit das Möhring-Ende besiegeln.

Aufstieg und Fall eines Traditionsnamens: Der 24-jährige Konditormeister Oscar Möhring machte sich 1898 an der Ecke Uhlandstraße/Kurfürstendamm selbstständig und gründete ein Café, das es rasch zu hohem Ansehen brachte, vor allem wegen des Baumkuchens – nicht so berühmt wie das viel ältere Kranzler, aber doch ein Eckpfeiler der Kurfürstendamm-Geschichte. Die Erben verkauften Betrieb und Namen 1970 an den eher wegen seines Kartoffelsalats bekannten Feinkostproduzenten Heinz Pfennig, der entschlossen auf Expansionskurs ging, 1973 ein weiteres Café Möhring an der Brandenburgischen Straße eröffnete und 1975 auch das Café Schilling an der Gedächtniskirche erwarb. Kurz nach der Wiedereröffnung 1977 starb er; sein Sohn Kurt setzte den Kurs des Vaters fort und übernahm 1980 auch noch das Schloss-Café in der Otto-Suhr-Allee.

In den achtziger Jahren begannen zwei gegenläufige Entwicklungen: der Niedergang der traditionellen plüschigen Kaffeehaus-Kultur und der Anstieg der Gewerbemieten in den großen Boulevards, der die traditionellen Cafés zunehmend unter Druck setzte. Mit der Wende kam dennoch scheinbar noch einmal Schwung ins Möhring-Geschäft, denn die Eröffnung des Betriebs in den historischen Räumen an der Ecke Jägerstraße/Gendarmenmarkt erhöhte die Anzahl auf fünf.

Doch damit hatte sich der Höhenflug erledigt. 1993 schloss das Café an der Gedächtniskirche – es ist heute eine Filiale von H&M. Irgendwann verschwand der Ableger in der Brandenburgischen Straße, und im April 2000 musste auch das Stammhaus dichtgemacht werden – es wurde zunächst eine Filiale der Schweizer Bank Credit Suisse, dann zog der Bekleidungsriese Benetton ein. 2006 gab auch das Café in der Otto-Suhr-Allee auf.

Das Café am Gendarmenmarkt wurde zuletzt von einem Pächter betrieben, der mit dem Glanz des altehrwürdigen Namens nichts mehr anzufangen wusste und auf Allerweltsküche für sparsame Touristen setzte. Während ein neuer Betrieb wie Fassbender & Rausch erfolgreich auf der Schokoladenwelle segelte, konnte sich Möhring nicht einmal mehr mit hausgemachten Torten profilieren, denn die wurden nur noch zugeliefert; auch als Restaurant etablierte es sich nicht gegen die starke Konkurrenz der Umgebung. Nun also folgen Bier und Weißwurst, nicht unbedingt originell angesichts des schon länger bestehenden „Maximilian“ um die Ecke in der Friedrichstraße.

Möhring-Nostalgiker werden den bekannten Namen dennoch nicht ganz verlieren, denn die Firma Pfennigs besitzt die Rechte nach wie vor und verkauft unter dem Namen „Café Möhring“ rote, grüne und gelbe Grütze in Plastikbechern. Die eignet sich nur bedingt als Berliner Traditionsprodukt, denn sie wird in Sarstedt bei Hannover hergestellt. Allerdings ist das Kilo im Supermarkt oft schon für 1,79 Euro zu haben. Für diesen Preis gab es zuletzt am Gendarmenmarkt nicht mal einen Cappuccino.

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