Cafés : Mit Kind und Kännchen

Spielen, kreischen und kleckern? Ja, bitte! Wo Eltern mit ihren Kleinen willkommen sind.

Johanna Lühr

Nein, das Kind möchte nicht in den Strandkorb. Auch wenn die Mutter sie noch so süß findet, diese kleinen blau-weiß gestreiften Ministrandkörbe, die ihr selbst bis zur Hüfte reichen. Aber ihre Kleine will ins Café.

Seit März hat „Das Spielzimmer“ in der Schliemannstraße ganz in der Nähe des Helmholtzplatzes geöffnet. Ein Café für Eltern und Kinder – nur dass es auf den ersten Blick gar nicht danach aussieht. Die geschwungenen Omasessel und die hellen Tapeten, die weiße Theke und die Holztischchen. Alles vom Feinsten. So soll es sein, findet Cornelia Kolenda, 26, die Besitzerin. Sie hätten sich monatelang die Kindercafés im Kiez angeguckt: überall Holzbänke, Plastikstühle, abwischbar und kunterbunt. Dann reichte es ihr. Sie wollte Polster. In die Rückenlehnen ist jetzt golden „Spielzimmer“ gestickt. Und auch der Rest der Einrichtung ist schick.

Die Spielecke wird mit einer winzigen weißen Balustrade abgetrennt, an der Bar steht Babygläschen neben Bionade und im hinteren Zimmer füllt ein gelb-rot-grünes Klettergerüst den ganzen Raum aus. Zwei Freundinnen trinken schwatzend ihren Milchkaffee. Zwei Mädchen pesen auf Strümpfen durch den Raum, bis sie an die Tür knallen. Zwei Mütter versuchen sich zu unterhalten, minütlich unterbrochen von ihren Kleinen („Jetzt nicht!“) und einer auszuufern drohenden Kakao-Kleckerorgie. Nur der grauhaarige Vater im Hinterzimmer trinkt in aller Ruhe seinen Espresso, während seine kleine Tochter zufrieden im Spielhaus verschwindet. Die Mutter mache gerade Prüfungen an der Uni und er sei dafür zuständig, Struktur in den Tag zu bringen, sagt er.

„Pregnancy Hill“, wie der Stadtteil auch genannt wird. Flüchten tun nur die, die noch keine Kinder haben. Die, wie der Mitarbeiter eines anderen Cafés am Platze meint, genug von der „Vermütterung“ haben. „Hier kippt ein Laden nach dem anderen“, sagt er. Alles, was mal cool war, sei jetzt voll von Kinderwagen. Und spätestens ab 30 Jahren spalteten sich dann auch die Freundeskreise: in die, die schon haben, gerade kriegen, noch warten oder nicht wollen. Nichts gegen Kinder im Allgemeinen, meint einer der Gäste ohne Kind, aber wenn man sich am Wochenende ohne Baby auf dem Arm schon nackt fühle, dann stimme doch etwas nicht. Pass bloß auf, sagt ihre Freundin, bis du selbst die Seite wechselst.

Na klar, manchmal sei man schon eine Last für die anderen, sagt die Mutter im „Spielzimmer“ und putzt ihrem Kleinen die Kakaoränder aus dem Gesicht. Aber das sei ja das Gute an diesem Laden: Hier kreischt jeder. Johanna Lühr

Das Spielzimmer, Prenzlauer Berg, Schliemannstr. 37, 10–19 Uhr, Eintritt für Kleinkinder 1 Euro, ab 3 Jahren 2,50 Euro, www.das-spielzimmer.net

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