Charlottenburg : Ku’damm-Bühnen wollen keinen Bürgerentscheid

Im Streit um die Zukunft des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm hat Intendant Martin Woelffer den Verein "Rettet die Ku’damm-Bühnen" gebeten, auf den für Januar angesetzten Bürgerentscheid zu verzichten.

Die Forderung, beide Bühnen bei der geplanten Modernisierung des Ku’damm-Karrees unverändert zu erhalten, überspanne den Bogen und könne den Theaterbetrieb durch einen möglichen Rückzug des Investors „massiv gefährden“, schrieb Woelffer dem Vereinsgründer und Chef des Berliner Theaterclubs, Otfried Laur. Dieser jedoch ist nicht bereit, einen Neubau als Kompromiss zu akzeptieren.

Erst vor kurzem hatte, wie berichtet, der Stadtplanungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf die neuesten Entwürfe des britischen Architekten David Chipperfield für das Ku’damm-Karree grundsätzlich begrüßt. Chipperfield und der irische Investor Ballymore wollen die alten Säle abreißen, dafür erhielte Woelffer eine Bühne mit 650 Plätzen in der dritten Etage und unten am Ku’damm einen „geräumigen Eingangsbereich mit Ticketverkauf“. Der Intendant betont, nach jahrelanger Ungewissheit und intensiven Verhandlungen sei damit endlich „die Zukunft der Boulevardtheater-Tradition am Kurfürstendamm“ gesichert. Die Proteste und das Engagement vieler Bürger seien wichtig gewesen, um dies zu erreichen. Dafür gebühre dem Rettungsverein „Dank und Anerkennung“. Alle müssten aber einsehen, dass die Erhaltung beider Bühnen finanziell unmöglich sei.

Otfried Laur reagierte am Freitag mit einem eigenen neuen Vorschlag: Werde eines der Theater im Orginalzustand belassen und der Spielbetrieb über einen Grundbucheintrag dauerhaft gesichert, verzichte der Verein auf den Bürgerentscheid, den man per Unterschriftensammlung durchgesetzt hatte.

Ballymore bekräftigte, ein oder zwei Theater vorn im Parterre seien mit der Ansiedlung von Läden im Neubau unvereinbar. „Diese Lösung wird es nicht geben“, sagte Sprecher Armin Huttenlocher. Trotzdem solle das Ku’damm-Karree „einer der hochkarätigsten Kulturstandorte der Stadt werden“. Außer dem neuen Theater sei auch eine Kunsthalle angedacht. Dafür gebe es Flächen, falls die Ausstellung „Story of Berlin“ ins Amerika-Haus umziehe. Ob es dazu kommt, steht allerdings noch nicht fest.

Die bezirkliche SPD-Fraktion wollte alle Beteiligten zum „öffentlichen Vermittlungsgespräch“ einladen, außerdem plante BVV-Vorsteherin Marianne Suhr (SPD) auch eine vertrauliche Gesprächsrunde. Laur allerdings lehnte jetzt beides ab. Der Investor halte am Bühnenabriss fest, und damit gebe es keine Kompromissmöglichkeiten – „auch wenn wir uns 1000 Mal zusammensetzen“. CD

1 Kommentar

Neuester Kommentar