Christopher Street Day : Regenbogentanz

Der Christopher Street Day war feucht, aber fröhlich. 400.000 Besucher kamen zur Paradestreck. Schwule und Lesben protestierten auch für den Flughafen Tempelhof.

Thomas Loy
Christopher Street Day
Christopher Street Day: Hier darf geschmust und gefeiert werden.Foto: ddp

BerlinEin kritischer Blick in den Himmel. Einer der CSD-Organisatoren, ausgerüstet mit Headset und Funkgerät, wartet auf das Startsignal von der Polizei. Das Signal kommt von oben: Der erste Regentropfen.

Wie schon der Karneval der Kulturen leidet auch der Christopher Street Day dieses Jahres unter dem launigen Sommerwetter. Rund 400 000 Besucher zählen die Veranstalter, 50 000 weniger als im vergangenen Jahr. Der U-Bahnhof Wittenbergplatz wird zeitweise zum Auffanglager für Zuschauer, die vor dem Gewitterregen flüchten. Man prostet sich mit Sektflaschen zu, repariert die zerstörte Frisur und wartet ab. Die Stimmung ist gut, wie vor einem großen Konzert.

59 Trucks sind für den Umzug gemeldet. Ganz vorn fahren die Schwulen und Lesben der neuen Linken. „Losglück“, sagt Harald Petzold aus Falkensee. Die SPD-Homosexuellen sind an dritter Position, weit abgeschlagen fährt „LSU“, der schwullesbische Flügel der CDU. Dafür hat er den größeren Truck – und ein kleines Flugzeug mit Eisbär-Pilot im Schlepptau, um für den Flughafen Tempelhof zu werben.

Der CSD ist eine bunte Kostümschau, aber auch ein Wettbewerb der schönsten Fahrzeuge. Die BVG hat einen ihrer roten Stadtrundfahrt-Doppeldecker mit goldenem Staniolpapier veredelt. Ein „schwuler Oldtimer-Club“ protestiert mit einem Mercedes aus den 50er Jahren gegen die geplante Sperrung der Innenstadt für betagte Automobile.

Die Polizei hat ihre Einsatzwagen mit der Regenbogenfahne geschmückt. Die Beamten fallen im allgemeinen Uniformrausch nicht weiter auf. Es sind Cops aus New York mit einem Original-US-Streifenwagen auf der Strecke, Marineoffiziere in weißer Galauniform sowie Ledernacken und Gummisoldaten aus der Fetischszene. Den Abschluss bilden die orangenen Stadtreiniger von der BSR mit einer beeindruckenden Flotte von 15 Reinigungsfahrzeugen, die ohne Zeitverzögerung den Müll wegputzen.

Die schrägsten Kostüme werden von den überwiegend brav gekleideten Zuschauern mit Szenenapplaus bedacht. Student Martin Wolf hat um vier Uhr morgens angefangen, sich in einen Fantasy-Comic-Engel zu verwandeln. Sein ganzer Körper wurde bemalt. Der Kopfschmuck besteht aus langen Dämmstoff-Streifen.

„Geht gleich los, Ladys“, ruft Dirk Raasch an der Pfandkasse von Getränke Hoffmann am Wittenbergplatz, als die Bässe aus den Trucklautsprechern lauter werden. Der CSD ist der umsatzstärkste Tag des Jahres. Alle Käufer müssen vor dem Verlassen des Ladens ihren Bon vorzeigen. „Sonst verlieren wir den Überblick. Vor zwei Jahren haben sie schon mal eine Kiste Sekt rausgetragen.“

Nach dem Umzug wird auf diversen Partys weitergefeiert. Für Mitternacht war ein großes Feuerwerk am Großen Stern geplant.

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