Chuck Berry : Die totale Rebellion

Auftritt der Woche: Chuck Berry, Urvater des Rock’n’Roll, schnappt sich noch einmal die Gitarre und spielt auf der Spandauer Zitadelle.

H.P. Daniels
Chuck Berry
Bordkonzert. Kaum ein Auftritt von Chuck Berry ohne Kapitänsmütze. -Foto: AFP

„Verstehst du, diese Power, diese Energie, die du da kriegst, im Konzert, wenn du auf der Bühne stehst und dein Ding machst, das ist irre, das ist der absolute Wahnsinn!“, sagt Rolf Zacher. Sogar unter der dicken Sonnenbrille sieht man seine Augen leuchten vor Leidenschaft. Der Schauspieler, Sänger und Autor sitzt in „Jimmy’s Diner“ in der Sächsischen Straße und macht ein bisschen Werbung fürs „Rockin’ Jamboree“ am 22. Juli in der Spandauer Zitadelle. Er wird dort am Sonntag die Rock’n’Roll-Legende Chuck Berry präsentieren wie auch das Rahmenprogramm mit King Size Taylor, Little Willie Littlefield, The Blue Vinyl Freaks und Colinda. Natürlich wird Zacher auch selber singen und, wenn er so gut drauf ist wie heute, ein bisschen erzählen. Aus dem eigenen Leben. Vom Rock ’n’ Roll seiner frühen Jahre, der fünfziger Jahre in Berlin-Südende, von den Tanzschuppen, wo er als dürrer Halbstarker unzählige Rock ’n’ Roll-Tanzwettbewerbe gewann. „Die Energie geht durch dich durch, den ganzen Körper, das musst du spüren, verstehste!“ Und Zacher kommt immer mehr ins Schwärmen: „Mensch, die Amis ham uns doch gerettet damals. Mit ihrer Musik. Jazz, Bebob, Boogie Woogie, der Rock ’n’ Roll: Bill Haley, Elvis und Chuck Berry! Und dann war Chuck Berry auch noch schwarz, ,Negermusik’ haben die Spießer dazu gesagt, das war doch die totale Rebellion, wenn du Chuck Berry gehört hast!“

Zacher nimmt die Sonnenbrille ab, streicht sich durch die Haartolle wie ein halbseidener Strizzi vom Autoscooter, wie ein echter Rocker von damals, wie einer, der nicht erwachsen werden will, auch nicht mit 66. Und er grinst mit diesem charmanten Draufgängerblick, der die ganz jungen Frauen noch dahinschmelzen lässt, zwischen Frechheit und Unschuld: „Und deswegen freue ich mich auch schon so auf den Sonntag!“

Er freut sich auf Chuck Berry, von dem John Lennon gesagt hat: Müsste man dem Rock’n’Roll einen anderen Namen geben, hieße er Chuck Berry. Charles Edward Anderson Berry, der Mitte der fünfziger Jahre Blues, Swing und Country mit seiner schneidend rhythmischen Gitarre zum elektrisierenden Rock ’n’ Roll verschärfte, ist zweifellos der Urvater aller Beat- und Rockbands späterer Jahre. Ohne Berry, den Erfinder des ultimativen Gitarrenriffs und ewig gültiger Songs wie „Roll Over Beethoven“, „Sweet Little Sixteen“, „Johnny B. Goode“, „Carol“ hätte es mit Sicherheit keine Beatles gegeben, keine Stones, keine Beach Boys. Aber auch keinen Punk. Und keine Oasis, keine Strokes, keine White Stripes, nichts! Ohne Chuck Berry wäre die heutige Rockmusik kaum denkbar. Vor drei Jahren gab er im Tempodrom ein hinreißendes Konzert: roh, ungehobelt, dynamisch. Und man dachte, es wäre das letzte Mal, der 80-jährige Berry würde nicht mehr auf Tournee gehen. Aber jetzt kommt er doch noch mal und wird mit seiner Kapitänsmütze, seinem dünnen Bleistiftbärtchen und seinem jungenhaft schelmischen Grinsen wieder aussehen wie ein echter Rock ’n’ Roller, der nie erwachsen werden will, auch mit 80 nicht. Wie Rolf Zacher. „Und wenn du Glück hast, spürste dann wieder diese Power, diese absolute Energie, verstehste!“ H.P. Daniels

Chuck Berry tritt beim Rockin’ Jamboree am 22. Juli, 19 Uhr (Einlass 18 Uhr) in der Zitadelle Spandau auf. Karten ab 36,75 Euro, online unter www.hekticket.de

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