Citadel Music Festival : Bedrohliche Stille

Die Macher des Citadel Music Festivals in Spandau sammeln Unterschriften gegen strengen Lärmschutz. Viele Besuchern beklagen die geringe Lautstärke und das frühe Ende, bevor es im Sommer richtig dunkel werden kann.

Eva Kalwa

Niemand liest gern Kritik in seinem Gästebuch. Und spätestens wenn sie gehäuft auftritt, ist Handeln angesagt. So denkt Trinity Concerts, der Veranstalter des Citadel Music Festivals. Die sommerliche Konzertreihe auf der Zitadelle Spandau kann aufgrund von Anwohnerbeschwerden in diesem Jahr nur unter zahlreichen Auflagen stattfinden. So müssen die Veranstaltungen pünktlich um 22 Uhr zu Ende sein und dürfen die Obergrenze von 55 Dezibel für die sogenannten „leisen“ und 60 Dezibel für die im Bezirk pro Jahr insgesamt erlaubten 18 „lauten“ Konzerte nicht überschreiten.

Vielen Besuchern ist das zu wenig Rock ’n’ Roll – sie beklagen die geringe Lautstärke und das frühe Ende, bevor es im Sommer richtig dunkel werden kann. Daher ruft der Veranstalter auf der Homepage www.citadel-music-festival.de zum Eintrag in eine Unterstützerliste auf. „Wir wollen für die Erhaltung des Festivals nicht mehr allein kämpfen und wünschen uns emotionalen Rückhalt, am liebsten von 10.000 Menschen“, sagt Christopher Brosch, Mitarbeiter bei Trinity. Anlass für die Unterschriftenaktion hat die erneute Beschwerde einer Anwohnerin gegeben, die sich in der Vergangenheit schon mehrfach über Lärmbelästigung beklagte. „Wir können diese Vorwürfe einer einzelnen Person nicht nachvollziehen“, sagt Brosch. Man habe die Bühne gedreht und auch die Boxen in einem bestimmten Winkel aufgestellt, um die Lautstärke zu reduzieren.

Auch viele Bands sind nicht begeistert von den Einschränkungen. Vor allem Künstler, die eine große Laser- oder Videoshow im Programm haben und daher auf Dunkelheit angewiesen sind, könnten zukünftig von einem Auftritt auf der Zitadelle Abstand nehmen, fürchtet Brosch. „Wir überlegen heute schon für 2010, welche der angefragten Konzerte mit aufwendiger Lichtshow wir Anfang Juni oder Ende August präsentieren können, damit es abends dunkel ist“, sagt Brosch. Wegen der Vorgaben könne man aber auch nicht fünf Konzerte in eine Woche legen. Und auch nicht jede Band ist im entsprechenden Zeitraum verfügbar. Schlechte Zukunftsaussichten, so Brosch. „Das Festival braucht einfach liberalere Vorgaben, sonst wird es nicht überleben.“Eva Kalwa

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