Classic-Festival : Majestätische Musik

Das Königliche Symphonie-Orchester Oman spielt bei Young Euro Classic.

Matthias Jekosch

„Ein wunderbares Kostüm, bestehend aus traditioneller Kleidung in den Landesfarben Rot und Grün, besetzt mit Gold“, beschreibt Musikprofessor Issam El-Mallah das Auftreten der Frauen im Königlichen Symphonie-Orchester Omans. Nicht nur das Äußere ist auffällig für ein Orchester dieser Art. Vieles wird am 10. August im Konzerthaus am Gendarmenmarkt ungewöhnlich sein.

Das gilt schon für die Zusammensetzung des rund 100-köpfigen Ensembles. Frauen machen dort ein Drittel aus – das ist extrem fortschrittlich für ein muslimisches Land, in dem Frauen bis 1970 nicht einmal zur Schule gehen durften. Eine indische Violine und die „Oud“, eine arabische Laute, ergänzen die traditionellen Klänge europäischer Symphonie-Orchester. Und auch die Töne sind anders als gewohnt. „Die arabische Musik kennt durch den Drei-Viertel-Schritt noch eine neue Dimension, die es in der abendländischen nicht gibt“, erklärt El-Mallah.

Der Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist Experte für arabische Musik und kennt das omanische Orchester wie kaum ein anderer. Insgesamt zwölf Jahre war er wissenschaftlicher Leiter des Oman Centre for Traditional Music in der Landeshauptstadt Maskat und ist seit 2002 bei der omanischen Regierung als musikalischer Berater angestellt. Der erste Kontakt zum Musikfestival „Young Euro Classic“ kam 2005 über ein Lautenfestival in Maskat zustande, das El-Mallah organisierte. Der Ägypter ist begeistert von der musikalischen Arbeit in Oman. „Es ist unglaublich, was Sultan Qaboos bin Said für die Musik macht“, sagt er. Der Musikliebhaber hält sich bei Hofe neben dem Orchester noch drei weitere Musikgruppen.

Der Sultan persönlich gründete das Orchester 1985. „Davor hatten die Leute noch nie ein Fagott, eine Oboe oder ein Horn gesehen“, sagt El-Mallah. So wurden die künftigen Ensemblemitglieder im Alter von etwa zwölf Jahren durch musikpädagogische Übungen ausgesucht. Es kam nicht darauf an, ob sie ein Instrument spielen, sondern ob sie Töne richtig wahrnehmen und produzieren konnten. Die Mitglieder leben heute in einem Internat, der islamischen Tradition entsprechend getrennt nach Mädchen und Jungen. Sie erhalten Taschengeld, eine kostenlose Ausbildung und dürfen den Sultan ins Ausland begleiten. Dort treten sie nicht immer auf, sondern sollen vor allem andere Kulturen kennenlernen.

Die ureuropäische Symphonie-Tradition war den Omanis zunächst fremd. Deswegen spielte das Ensemble meist nur im Palast und bei Staatsempfängen. Von September bis Mai wird es jedoch jeden Monat ein öffentliches Konzert in Oman geben. „Auftritte im Ausland müssen jedoch mit dem Sultan abgestimmt werden“, sagt El-Mallah. Gastspiele in anderen Ländern sind deshalb extrem selten. Der Auftritt in Berlin ist erst das zweite Konzert in Europa. Im Jahr 2000 war das Orchester zuletzt in Brüssel zu hören.

Freitag, 20 Uhr, Konzerthaus Berlin, Young Euro Classic Special Night

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