Club Oxymoron : Jubel imTrubel

Nichts bleibt wie es war am Hackeschen Markt. Das gilt auch für die Clubszene. Eine der wenigen Konstanten ist das Oxymoron. Es feiert nun sein Zehnjähriges Bestehen.

Nana Heymann
156012_0_75c3fb9c
Mitte-Nächte sind lang. Und ganz besonders die im Oxymoron-Club in den Hackeschen Höfen. -Foto: David Heerde

Im März besuchte sogar der Außenminister das Oxymoron. Frank-Walter Steinmeier kam durch den Hintereingang, das Sicherheitspersonal schleuste ihn durch die Hackeschen Höfe, machte ihm Platz in einer ruhigen Ecke hinter der Tanzfläche. Dort saß er fast zwei Stunden. Beobachtete mit einem aufgeschlossenen Lächeln die Tanzenden, unterhielt sich mit Clubbetreiber Olaf Kretschmar, trank Champagner. Ein fast normaler Partygast.

Kretschmar erinnert sich gerne an diesen Abend zurück, als Steinmeier anlässlich der Europäischen Clubnacht bei ihm zu Gast war. „Das war sicherlich ein Highlight.“ Vielleicht kommt der Außenminister am morgigen Sonnabend erneut, Kretschmar hat ihn eingeladen, denn das Oxymoron feiert mit einem Pianokonzert von Miss Ming und zahlreichen DJs seinen zehnten Geburtstag. Für die schnelllebige Clubbranche ein beachtliches Jubiläum. Offenbar nicht umsonst haben Kretschmar und sein Team den Namen Oxymoron gewählt: Das Wort kommt aus dem Griechischen und steht für die Verbindung von Gegensätzen.

Kurze Rückblende ins Jahr 1997. Die Gegend um den Hackeschen Markt leuchtet damals noch nicht in pastelligen Bonbonfarben, die Hackeschen Höfe sind gerade erst saniert worden. Zwischen verfallenen Altbauten und wenigen glänzenden Häusern siedeln sich Berlins Partymacher an. Auf einem Hinterhof an der Neuen Schönhauser Straße residiert der Toaster, in unmittelbarer Nähe zum Monbijou Park öffnet der Kurvenstar und hinter dem S-Bahnhof an der Burgstraße lassen die Betreiber des WMF in einem verfallenen Gebäude ihre Partys steigen. Es ist die Zeit, von der Clubgänger heute noch schwärmen. Die Zeit, in der Kretschmar und sein Team die Räume in den Hackeschen Höfen beziehen.

„Der Anfang war furios, die ersten drei Jahre liefen super“, sagt Olaf Kretschmar. Mit progressivem Musikprogramm und dezentem Retrochic lockt das Oxymoron schnell Berlins Szenegänger. Die Schlange der Wartenden auf dem Hof ist nachts um eins meist mehrere Meter lang. Wer drin ist, gehört zu den Coolen, ist in den Club aufgenommen. Aber wie das so ist mit Berlins Hotspots: Sie können sich meist nur über einen bestimmten Zeitraum behaupten. Und wenn dann auch noch die Konjunktur mit ins Spiel kommt, droht das Aus ziemlich schnell. Im Oxymoron war dieser Punkt um die Jahrtausendwende erreicht. „Als die New Economy gecrasht ist, haben wir den Großteil unserer Kunden verloren“, erzählt Kretschmar. Von hundert auf null innerhalb weniger Wochen.

Vermutlich wäre es dem Club ergangen wie etlichen anderen, die es mittlerweile längst nicht mehr gibt. „Es gibt Konzepte, die für eine kürzere Zeit wirken, und andere, die nachhaltiger sind“, sagt Kretschmar. Er gab sich flexibel, setzte fortan auf massenkompatible Black Music, öffnete seinen Laden für eine neue, jüngere Klientel – und konnte ihn so retten. „Wir sind nicht mehr auf eine bestimmte Szene fixiert.“

Den Vorwurf ehemaliger Stammgäste, das Oxymoron sei inzwischen zum Touritreff verkommen, weist Kretschmar entschieden zurück. „Mittlerweile kommt ein kompetentes internationales Publikum aus London oder Japan, die Touristendiskriminierung hat sich gelegt.“ Nur eins bedauert er: das Fehlen einstiger Weggefährten. „Es ist eher negativ, wenn andere Clubs schließen. Man profitiert voneinander.“ Neue Clubs wie das Dante in den S-Bahnbögen würden auf ein ganz anderes Publikum abzielen – Synergieeffekte gibt es dadurch kaum. Von runden Jubiläen sind sie ohnehin noch weit entfernt. Im Oxymoron hingegen plant man schon die nächsten zehn Jahre.

Oxymoron, Rosenthaler Straße 40/41, Mitte, Beginn 20 Uhr, Eintritt 12 Euro

0 Kommentare

Neuester Kommentar