Clubs : Tanz ums Rauchverbot

Die meisten Diskos in Berlin müssen umgebaut werden. Doch viele Betreiber schieben das Problem vor sich her.

Lu Yen Roloff
Clubs
In den Clubs wie hier im "Maxxim" gilt ab Neujahr das Rauchverbot - Verstöße bleiben aber vorerst folgenlos. -Foto: ddp

Rund eine Million Raucher gibt es in Berlin, die meisten davon sind im Diskothekenalter unter 40, so dass in Clubs und Diskotheken mehr als jeder Zweite qualmt. Ab dem 1. Januar 2008 soll nun Schluss sein mit dem Dunst rund um Bar und Tanzfläche. Sascha Disselkamp, Vorsitzender der Clubkommission und Betreiber des „Sage Clubs“, sieht dem Termin erfreut entgegen: „Ich bin ein absoluter Befürworter des Rauchverbots“, sagte er. „Ich verstehe nicht, wie die Raucher von ihrer Freiheit reden und nicht sehen, wie sie andere Leute vergiften.“

Allerdings haben die Clubbesitzer noch bis zum 1. Juli 2008 Zeit, um nach der Ausnahmeregelung für Gaststätten separate Raucherräume einzurichten. Erst dann werden bei Verstößen Bußgelder fällig werden – eine Schonfrist für die Clubbesitzer, denn die Umbauten müssen vielen Auflagen genügen: Nur jene Clubs dürfen Raucherräume einrichten, in denen der Eintritt erst ab 18 Jahren möglich ist. Diese dürfen keine Tanzfläche haben und müssen wesentlich kleiner sein als der Hauptraum. Raumabtrennungen durch Schiebetüren oder Vorhänge reichen nach dem neuen Nichtrauchergesetz nicht aus. Auch im Eingangsbereich oder im Durchgang zu den Toiletten muss das Rauchen verboten werden.

Wahrscheinlich werden viele Clubs auch nach Silvester zunächst noch Raucher dulden, denn die späte Verabschiedung des Gesetzes im November dieses Jahres hinterließ bei einigen Besitzern Verwirrung: „Wir haben noch die Augen geschlossen und schieben das Ganze vor uns her“, sagt etwa Julia Schwarz vom „Felix“. Auch das „Weekend“ konnte sich noch nicht zu eventuellen Umbauten äußern. Im Sage Club sollen aber die Raucher pünktlich zum Jahreswechsel in das Loungezelt im Außenbereich verbannt werden, sagt Betreiber Disselkamp. Auch das „Lido“ und das „Duncker“ haben für ihre Gäste bereits Rauchmöglichkeiten in Garten oder Innenhof reserviert.

Nicht alle Clubbetreiber können ihre Gäste aber auf eigene Außenräume verweisen. „Wir können die Leute nicht einfach vor die Tür schicken“, sagt Beate Gänssle vom Kreuzberger Club „103“. „Wir müssen ja auch den Lärmschutz der Anwohner berücksichtigen.“ Im „103“ soll deswegen voraussichtlich die obere Etage, die momentan für Kulturveranstaltungen genutzt wird, zur Raucherlounge erklärt werden. Auch „Tresor“, „Watergate“ und „Maria am Ostbahnhof“ wollen separate Raucherräume einrichten. Nur das Maria wird dies aber nach einer Umbauphase schon im Januar tun, die anderen Clubs hatten noch kein festes Datum.

Für kleine Clubs, die keine Möglichkeit zum Innenausbau haben, könnte das Rauchverbot zu Umsatzeinbußen und Wettbewerbsverzerrung führen, befürchten einige Betreiber. „Jeder, der keinen Raum abtrennen kann, ist doch anderen völlig unterlegen, die das mühelos machen können“, sagt Sage-Club-Betreiber Disselkamp. Steffen Hack vom Watergate glaubt sogar, dass illegale Clubs durch das Rauchverbot Auftrieb bekommen könnten: „Der Besucher erkennt ja nicht unbedingt, ob ein Club legal oder illegal ist und denkt vielleicht am Ende, dass die konzessionierten Clubs uncooler sind.“

Ein „diktatorisches Vorgehen“, wie Watergate-Betreiber Hack befürchtet, wird von Seiten des Ordnungsamts jedoch auf absehbare Zeit nicht eintreten. Denn die Ordnungsämter sind selbst noch nicht richtig auf das Gesetz vorbereitet, wenige neue Mitarbeiter sollen erst bis zur Jahresmitte geschult werden. Allein im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gibt es 4000 Gaststätten. Die rund 35 Angestellten im Außendienst des Ordnungsamts werden sich aber neben der Rauchverbotskontrolle auch noch um alle anderen Ordnungswidrigkeiten von Jugendschutz bis Falschparken kümmern müssen. Zu wenig Personal also, um flächendeckende Kontrollen durchführen zu können. „Wir können deswegen nur Hinweisen nachgehen“, sagte Marlies Meunier, Leiterin des Wirtschafts- und Ordnungsamts Friedrichshain- Kreuzberg. Ab Juli sind 100 Euro für den Verstoß gegen das Rauchverbot fällig und 1000 Euro für die Clubbesitzer, die das Rauchverbot nicht durchsetzen.

In anderen Städten in Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen wurde das Rauchverbot bereits erfolgreich in Clubs eingeführt. „Es gibt nur ein Problem“, sagt eine Stuttgarterin: „Wenn der Rauch wegbleibt, riecht man den Schweiß auf der Tanzfläche.“

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