Computerspiel „Starcraft II“ : Schlangen vor Verkaufsstart um Mitternacht

In der Nacht zum Dienstag kam das neue Computerspiel „Starcraft II“ in den Handel. Viele Fans wollte keine Minute länger darauf warten: Vor dem Einkaufszentrum „Alexa“ am Alexanderplatz standen 1500 Fans Schlange.

Alina Stiegler
Spaß? Von wegen! Das ist seriöses Lehrmaterial. Sagen zumindest Laura Li Tung (links) und Kira Jung. Die beiden Frauen sind in der Nacht extra zum Alex gefahren, um das neue Spiel zu kaufen. Warum? Sie sind Studentinnen der Games Academy, die sich in der Nähe befindet: am S-Bahnhof Jannowitzbrücke. Foto: Davids/Zinken
Spaß? Von wegen! Das ist seriöses Lehrmaterial. Sagen zumindest Laura Li Tung (links) und Kira Jung. Die beiden Frauen sind in der...Foto: DAVIDS

Was machen denn all die Leute hier? Es ist kurz vor Mitternacht, oben rollt die S-Bahn über die Gleise, unten stehen hunderte Menschen aufgekratzt in der dunklen Dircksenstraße. So wie Viktor Hoffmann. „Unsere Rechner haben wir schon bei einem Freund aufgebaut“, erzählt er, „danach wollen wir spielen.“

Danach, das heißt: Nach dem Mitternachtsshopping im Einkaufszentrum „Alexa“. Dort gibt es in dieser Nacht zu Dienstag das Computerspiel „Starcraft II: Wings of Liberty“, es ist ein sehr wichtiger Termin in der Computerspielszene. Als die Türen zum Mediamarkt sich um 0.01 Uhr öffnen, schieben sich 1500 Fans aus der Dunkelheit ins Einkaufszentrum.

In der Schlange steht auch Till Gansen, 31, aus Treptow. „Nach zehn Jahren ist es einfach ein Muss, heute dabei zu sein“, sagt er. „ Ich kaufe nachher zwei Spiele: eins für mich und eins für meinen Kumpel, der heute leider krank ist.“ Starcraft sei ja schließlich nicht irgendein Spiel, das sagen sie alle hier, es ist der Nachfolger des populären Vorgängers von 1998. Unter dem Getöse des Spiel-Soundtracks wird die Zeit auf einer Bühne bis zum Verkaufsstart mit Spielen, Interviews und Trailern überbrückt. Jeder kleine Ausschnitt wird von der Menge bejubelt, Digitalkameras schnellen zur Dokumentation in die Höhe. Der Computerspiel-Hersteller kennt diese etwas merkwürdigen Zeremonien, er ist bekannt für seine Inszenierungen. Und auch in London, Paris, Stockholm und Moskau wurde um Mitternacht das neue Spiel präsentiert.

Die 1500 Fans hätten die 39 Euro fürs Spiel auch einfach am nächsten Morgen über die Kasse schieben können. Aber „es ist nun mal einfach etwas anderes, das Spiel als Erster in der Hand zu halten“, sagt der 22-jährige Sören Schleicher. Starcraft ist ein Strategiespiel, bei dem man zwischen drei verschiedenen Spieltypen wählen kann. Dabei können mehrere Spieler gleichzeitig gegeneinander spielen, es gibt sogar eine Nationalmannschaft der „Starcraft“-Spieler. Und dennoch ist der Hype hierzulande geradezu verhalten. In Südkorea ist „Starcraft“ eine Art Volkssport: Bei Public Viewings schaut man dort nicht Fußball, sondern „Starcraft“. Es gibt sogar eigene Fernsehsender, die die Spiele übertragen.

Für die Mitarbeiter und Ordnungskräfte im Alexa sind solche Menschenmassen in der Nacht so langsam Routine. Unvergessen ist noch immer die Ladeneröffnung vor drei Jahren, als Menschen verletzt wurden, Scheiben im Gewusel zu Bruch und Rolltreppen kaputtgingen und sogar die Polizei anrücken musste, um im Kassenbereich mit Megafonen für Ruhe zu sorgen.

Die Stimmung ist diesmal ruhiger, mit breitem Grinsen verlassen die Menschen den Laden mit ihrem Spiel in der Hand, nach gut einer Stunde ist das Schauspiel vorbei. Auch Laura Li Tung und Kira Jung aus Kreuzberg stehen an der Kasse, so ziemlich als einzige Frauen an diesem Abend. Anschließend holen sie sich auch noch ein Autogramm von Spieleentwickler Rob McNaughton. „Die Entwickler zählen zu unseren Vorbildern“, sagt die 22-jährige Laura Li Tung. Die beiden Frauen werden an der Games Academy zu Entwicklern von Computerspielen ausgebildet, die Schule befindet sich nahe dem S-Bahnhof Jannowitzbrücke, nicht weit entfernt. Und auch Sebastian Grundmann sieht glücklich aus. Er hat gleich zwei Spiele gekauft. Junkie? Nö, das eine ist für ihn, das andere für seinen Vater.

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