Conny Froeboess : Das lachende Klassenzimmer

Cornelia Froeboess spielt und singt in Wedding Texte von Tucholsky, Kästner und Hollaender – und erhält Applaus von alten Bekannten.

Einen Augenblick wirkt sie ein bisschen verloren da vorne, vor der weißen Wand im grellen Licht: Ganz allein sitzt Cornelia Froboess, besser bekannt als Conny, am Wochenende an einem Tisch vor dem vollen Saal des Lichtburgforums an der Behmstraße in Wedding. Dann legt sie los: „Eene meene minkmank, klinkklank, pinkpank.“ Ein Singsang, immer wieder, immer schneller, ohne Luft zu holen. Ein bisschen seltsam scheint das zuerst, doch innerhalb kürzester Zeit zieht sie das ganze Publikum in ihren Bann, mit dem sie flirtet und kokettiert, als wäre sie nicht 64 Jahre alt, sondern acht oder 18, aber niemals älter. „Ich möchte Sie eine Stunde entführen in das alte Berlin, das ich als Kind erlebt habe“, hatte sie zu Beginn des Abends angekündigt. Unter dem Titel „Am liebsten spielte ick uff unserm Hof“ liest und singt sie Texte etwa von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Friedrich Hollaender. Die Veranstaltung nennt sich „Wiedersehen mit den Großen“ und findet statt in Kooperation mit dem Tagesspiegel.

Lange scheint es noch nicht her zu sein, dass der ehemalige Kinderstar Cornelia Froboess „uff dem Hof“ gespielt hat. Für den Rest der Welt mag seitdem viel Zeit vergangen sein – für sie gilt das bestimmt nicht: Das Grau ihrer schulterlangen Haare vergisst man schnell. Sie ist einfach die „kleine Conny“ mit Ponyfrisur, kindlichen Haarspangen, bunt karierter Jacke und vor allem dieser unnachahmlichen Art, mit der sie zugleich die Göre, die Dirne und die Diva gibt. Alle im Publikum lachen – und applaudieren von Mal zu Mal lauter. Besonders begeistert sind die Zuhörer in der ersten Reihe. Die ist vollständig belegt von ihren alten Klassenkameraden. Mit ihnen ging sie auf die Fridtjof-Nansen-Schule, die damals ganz in der Nähe des ehemaligen Kinos Lichtburg, des heutigen Lichtburgforums, lag. dma

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