"Cookeria" : Koch mal wieder!

Immer mehr Menschen wollen die Zubereitung leckerer Speisen nicht länger dem Zufall überlassen. In Schulen wie der Cookeria stehen sie mit Profis am Herd und kochen, braten, blanchieren.

Katja Gartz
Kochen
Viele Köche verderben den Brei? Nicht in der Cookeria von Anke Meiswinkel (Bildmitte). -Foto: Mike Wolff

Für Crostini mit Walnüssen blanchiert Gartenarchitektin Anke Scholz Tomaten, hackt Rucola und reibt geröstete Ciabattabrotscheiben mit Knoblauch ein. Frank Lupkowski macht sich an den Teig für eine Lachsquiche, während Petra Hauptmann Äpfel schält fürs Dessert: gestürzter Apfelkuchen Tarte Tartin mit Vanilleeis. Die drei Hobbyköche besuchen mit fünf weiteren Teilnehmern einem Kochkurs in der Charlottenburger Kochschule „Cookeria“. „In der Gruppe macht es Spaß zu kochen, man trifft nette Leute und lernt immer etwas dazu“, sagt der 50-Jährige Unternehmensberater Lupkowski. Bevor die Gäste in ihre Kochschürzen schlüpfen, werden sie von der Geschäftsführerin Anke Meiswinkel mit einem Glas Sekt begrüßt, anschließend kocht sie mit ihnen und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Die Kochleidenschaft wurde Meiswinkel gewissermaßen in die Wiege gelegt. Bereits von ihrer Mutter, einer gelernten Köchin, hatte sie sich viel abgeschaut. Meiswinkel studierte Ernährungswissenschaften, arbeitete über 20 Jahre beim früheren Berliner Energieversorger Bewag, informierte Verbraucher und Schüler über neue Küchengeräte und energiesparendes Kochen. „Da habe ich gelernt, große Gruppen anzuleiten“, berichtet die 54-Jährige, die in der Nähe von Köln aufwuchs. Ihr Ziel war immer, sich selbständig zu machen. Vor sieben Jahren war es dann so weit. Sie hörte bei der Bewag auf und entwickelte gemeinsam mit ihrer früheren Partnerin Angela Giellert das Konzept für die Cookeria. Sie machten Umfragen auf Wochenmärkten, erprobten ihre Kurse bei Freunden und Verwandten und suchten parallel nach geeigneten Räumen. In einem Gründerzeithaus mit Kiosk und angeschlossener Wohnung wurden sie nach mehreren Monaten fündig. „Damit haben wir ideale Räume gefunden“, sagt Meiswinkel, die seit 32 Jahren in Berlin lebt. Hilfreich sei auch die Wohnungsgenossenschaft gewesen, die das Gründerteam bei ihren Plänen unterstützte. Wände wurden herausgerissen, neue gesetzt, und die Ladenfläche mit 145 Quadratmetern wurde völlig umgebaut. In der großzügigen Küche mit vier Kochflächen und einem Nebenraum mit Esstischen finden heute Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen statt. Seit der Eröffnung im Jahr 2002 haben sich über 7000 Teilnehmer fürs Kochen begeistern lassen. Zu ihren Kunden für geschlossene Firmenveranstaltungen zählen auch große Automobil- und Pharmaunternehmen. Vier Jahre später wurden das Cookeria-Team bei den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen mit dem Preis „Berliner Gründer-Champion“ ausgezeichnet. „Das hat uns einen richtigen Erfolgsschub gegeben“, berichtet Meiswinkel. Doch der schwand schnell, weil ihre Partnerin schwer erkrankte und ausscheiden musste. Meiswinkel wusste zunächst nicht, ob sie allein weiter machen sollte. Sie entschied sich dafür und suchte Mitarbeiter. „Das war nicht einfach, aber heute bin ich froh über meine Entscheidung“, sagt die Kochschulleiterin.

Pro Monat finden in der Cookeria rund 20 Kochkurse statt, die neben Meiswinkel von verschiedenen Gastköchen geleitet werden. Besonders beliebt sind thailändische, mediterrane, regionale Gerichte und Sushi. Aber auch Basiskurse zu Kochtechniken wie Schmoren und Braten, Kochkurse für Kinder oder schnelle Gerichte als Alternative zur Tiefkühlpizza gehören zum Programm. Dabei gibt es immer Rezepte, die leicht nachzukochen sind. Geburtstage und Hochzeitsessen, bei denen die Gäste natürlich selber am Herd stehen, können ebenfalls in der Cookeria veranstaltet werden.

Das Angebot an Kochkursen in der Stadt wächst und wird vielfältiger. Gekocht wird, was der Globus an Küchen zu bieten hat, auch vegane und makrobiotische Menüs fehlen nicht. Längst kommt auch das Fernsehprogramm nicht mehr ohne Kochshows aus, und unzählige Kochbücher-Autoren versuchen alljährlich, den Markt zu erobern. Für Brit Lippold, die Geschäftsführerin von „Kochlust“, ist das große Kochinteresse auch eine Modeerscheinung. Sie hat sich von einem Geschäft in London inspirieren lassen und ist seit knapp acht Jahren Geschäftsführerin eines Kochbuchladens mit Kochschule in Mitte. Ihre Kurse veranstaltet sie ebenfalls mit verschiedenen Profis. Inspiriert von neuen Büchern, kochen die Gäste unter Anleitung beispielsweise Rezepte der Fernsehköchin Sarah Wiener. Außerdem gehören tropische und marokkanische Küche, Patisserie für Einsteiger, Basiskurse für Hausmannskost, Menüs mit Blüten und Weinproben zum Programm.

Als Bewag-Angestellte hatte Anke Meiswinkel früher mehr verdient, aber tauschen möchte sie nicht mehr. Heute ist sie zufriedener und geht mit mehr Spaß an die Arbeit. Brit Lippold von Kochlust, vor ihrer Geschäftseröffnung im öffentlichen Dienst tätig, kann das nur bestätigen.

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