CSD : Politik und Party unterm Regenbogen

Lesben und Schwule gehen am Sonnabend wieder auf die Straße Vor 30 Jahren gab’s den ersten Umzug zum Christopher Street Day in Berlin.

Lea Hampel
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Am Sonnabend wird wieder auf dem Christopher Street Day gefeiert. -Foto: ddp

Aufrecht geht er, die Pranke erhoben, die Schnauze offen, und doch weniger aggressiv als sein Vorbild. Und noch etwas unterscheidet diesen Bär von seinem Artgenossen auf dem Berliner Wappen: er ist knallpink. Genauer gesagt „Trans-YXX“. So nennen die Schöpfer des neuen CSD Logos die Farbe. Damit spielen sie an auf die geschlechtsdefinierenden Chromosomen. Denn dieser Bär steht nicht nur für Schwule oder für Lesben, sondern für die queere Community in all ihren Facetten.

Das Logo ist nicht die einzige Neuerung zum 31. Christopher Street Day (CSD) am kommenden Sonnabend. Ebenso gibt es neue Namen: die Veranstaltungen, die bereits seit dem 6. Juni stattfinden, heißen „Pride Parade“, der Umzug „Pride Festival“ und die Show an der Siegessäule „Pride Finale“. „Deutsche Wörter wie ’Abschlussveranstaltung’ haben es dem internationalen Publikum nicht leicht gemacht“, sagt Robert Kastl, seit acht Jahren CSD-Geschäftsführer, augenzwinkernd.

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Aber Grund zum Feiern geben nicht nur Logo und Namen: hinzu kommen drei Jubiläen. Vor 40 Jahren wehrten sich in der New Yorker Christopher Street erstmals Schwule gegen Polizeiübergriffe, vor 30 Jahren gab’s die erste Berliner „Gay Pride“, vor 15 Jahren wurde der schwulendiskriminierende Paragraf 175 abgeschafft. All dies wird gefeiert, wenn der CSD um 12.30 Uhr am Ku''damm /Ecke Joachimsthaler Straße von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnet wird. Auch Barabara Höll (Linke), Frank Henkel (CDU) und Renate Künast (Grüne) aus dem Abgeordnetenhaus sind dabei.

 Unter dem Motto „Stück für Stück ins Homoglück - Alle Rechte für alle!“ fordert die schwul-lesbisch-transe Community dieses Jahr, dass Artikel 3 des Grundgesetzes erweitert wird. Bislang darf danach niemand wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, Rasse, Sprache, Herkunft, seines Glaubens und seiner Auffassungen benachteiligt werden. In diese Reihe soll die „ sexuelle Identität“ aufgenommen werden, so die Forderung. Weitere Wünsche sind eine Änderung des Personenstands- und Vornamensrechts, ein Recht auf Ehe für alle und ein erweiteretes Berliner Aktionsprogramm für sexuelle Gesundheit. Außerdem verlangt die queere Community gegenseitigen Respekt: „Wir müssen nicht lieb gehabt werden, aber wir wollen Respekt.“

Für welche große Vielfalt da Respekt eingefordert wird, illustriert der Umzug. 51 Wagen ziehen zwischen 12.30 und 17.30 Uhr vom Ku’damm über Nollendorfplatz, Potsdamer Platz und Brandenburger Tor zur Siegessäule. Vertreten sind schwullesbische Parteigruppen genauso wie die Aidshilfe, der Berliner Theaterverein oder der KitKatClub. Das Finale mit erfahrungsgemäß etwa 500 000 Teilnehmern findet wieder an der Siegessäule statt.

Comedian Ole Lehmann moderiert, Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) und der Wiener Bürgerrechtler Helmut Graupner erhalten den Zivilcouragepreis. Außerdem wird mit 3000 weißen Luftballons mit roten Schleifen und einer Schweigeminute der Aids-Opfer gedacht.

Musikalisch geht’s dann weiter ins Finale. Ab 18 Uhr treten Newcomer wie die 16-jährige „Clara“ aus Lahnstein und Größen der queeren Musikszene wie die Techno-Band „The Squeeze Box“ an. Ab 22 Uhr legen DJs wie „Divinity“ und „Chris Bekker“ auf.

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