Stadtleben : Da spaßt der Tod

Mit der Premiere im Dom haben wieder die Jedermann-Festspiele begonnen

G,a Bartels

„Eigentlich kann ich die Elvers ja nicht leiden“, bekennt eine Reinickendorferin auf der Premierenparty, „aber als Buhlschaft ist sie nicht schlecht.“ Und ihre 25 Jahre junge Tochter ist vom ganzen „Jedermann“ hin und weg. Auch weil sie Wolfgang Bahro, der Jedermanns Guten Gesellen spielt, als Fiesling Jo Gerner in „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ schätzt.

Donnerstagabend sind die von Brigitte Grothum geleiteten Jedermann-Festspiele im Berliner Dom am Lustgarten in die 21. Saison gestartet. Und wie immer echote des Todes schauriges Hohngelächter, der den reichen Prasser Jedermann Gottes Gericht zuführen will, gar schröcklich durch das goldige Prunkgemäuer. „Boah, eine Wahnsinnskulisse!“, jubelt denn auch ein Paar Anfang 20. Ansonsten sei Hugo von Hofmannsthals moralisches Lehrstück vom Reichen, der, als der Sensenmann anklopft, auf den letzten Pfiff doch den Wert von Glauben und guten Werken erkennt, aber nicht so ihr Thema.

Das scheint vielen im gediegenen Publikum so zu gehen. Den meisten Applaus bekommt prompt Falco-Darsteller Axel Herrig als glitzernder Mammon, der wortmächtig auf der Weltkugel thront. Und auch der dekorativ verwitterte Teufel (Ezard Haußmann) zieht die Sympathien auf sich. Jenny Elvers-Elbertzhagen lässt als Reichenliebchen-Buhlschaft pflichtgemäß das Unterhöschen blitzen. Und Jedermann René Kollo beweist mit sorgfältig onduliertem Jung-Siegfried-Haar, dass auch angejahrte Heldentenöre noch wacker Trinklieder schmettern können.

Am Ende verstummen die Orgelgewitter, der Tod führt den geläuterten Jedermann im Totenhemd davon und Premierengäste wie Artur Brauner, Udo Walz, Anna Loos, Dagmar Frederic und Laurenz Meyer von der CDU applaudieren andächtig. Am feurigsten reagiert Schauspieler Rolf Zacher: Er stürmt die Bühne und überreicht René Kollo einen Blumenstrauß.

Den Weg zu den üppigen Fleischtöpfen der Premierenparty im Radisson-Hotel jenseits der Spree weisen leicht verfrorene Fackelträger. Da spaßt der Tod, Peter Sattmann, lustig mit Schauspieler Rolf Zacher herum. Und Letzterer outet sich sofort als Kollo-Fan. „Diese Präsenz vom René – ein Hammer!“ Er habe ihn ewig nicht gesehen, aber „vor mehr als 40 Jahren hat er mir mal mit Geld aus der Patsche geholfen“, sprudelt es aus Zacher heraus. So etwas wird jedem Jedermann günstig angerechnet beim Jüngsten Gericht. Gunda Bartels

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