Stadtleben : Das Foto zum Film

Wolfgang Jahnke macht Bilder von Schauspielern an Drehorten In einer Ausstellung zeigt er jetzt erstmals seine Aufnahmen

Andreas Conrad

Das also ist der Pudelmütze Kern: ein freundlich blickender älterer Herr, dem die Lesebrille tief auf der Nase hängt, den Hals hat er sorgsam mit einem Schal umwickelt, als gehe es an den Nordpol. Und dabei kommt doch der Titelheld von „Pappa ante Portas“ nicht nördlicher als bis Usedom. Ganz recht, Loriot. Eine der zahllosen Aufnahmen, die der Berliner Standfotograf Wolfgang Jahnke während der Dreharbeiten zu Vicco von Bülows zweitem Spielfilm geschossen hat.

Jeder halbwegs an Kino Interessierte kennt Jahnkes Bilder, ohne freilich zu wissen, wer dahintersteckt. „Wir produzieren das Material, mit dem für den Film letztlich geworben wird“, umschreibt Jahnke das Berufsbild von sich und seinen Kollegen, deren Fotos aber oft die Erinnerung an einen Film prägen, im kollektiven Gedächtnis fester haften als dieser selbst. Seit 30 Jahren ist Jahnke dabei, jetzt hat er erstmals sein Archiv geöffnet und präsentiert mit der gestern Abend eröffneten Ausstellung „Filmreif – Filmstars im Licht“ einen Querschnitt durch sein Werk, im Rahmen der Dalí-Schau in den prachtvollen historischen Räumen der ehemaligen Filmbühne Wien.

Die Liste der Stars, die Jahnke vor seine Kamera bekam, liest sich wie ein Who’s who vor allem des deutschen Films: Otto, Detlev Buck, Moritz Bleibtreu, Iris Berben, ja selbst die Nebendarstellerin Steffi Graf taucht auf. Hape Kerkeling war ebenso Motiv – und gestern Abend Gast. Die Otto-Filme hat Jahnke begleitet, Leander Haußmanns „Sonnenallee“, „Herr Lehmann“ und „NVA“. Über das Herstellen von Werbefotos geht seine Arbeit aber weit hinaus, zeigt sie doch auch die Arbeit auf dem Set.

Jahnke ist gebürtiger Berliner, Jahrgang 1947. Nach einer technischen Ausbildung und beruflichen Anfängen in Berliner Kopier- und Synchronunternehmen betreute er als technischer Leiter bei Horst Wendlandts Tobis-Verleih die Vorbereitung internationaler Produktionen für den deutschen Markt. Damals hat er sich immer wieder geärgert, dass für Presseunterlagen, Plakate und anderes Werbematerial kaum brauchbares Fotomaterial vorhanden war. Er besann sich daher auf seine fotografischen Vorkenntnisse und griff selbst zur Kamera, erstmals 1985 für „Otto – Der Film“.

Jahnke widmet sich auch der künstlerischen Fotografie: „People, Porträt und Akt“. Am Filmset dagegen sieht er sich „in erster Linie als Handwerker“. Es ist ein Handwerk unter erschwerten Bedingungen, schließlich stehen im Vordergrund immer die Dreharbeiten, bei denen der Fotograf im Hintergrund bleiben muss, nicht stören darf.

„Filmreif“, Kurfürstendamm 26, bis 31. Dezember, täglich 12 bis 22 Uhr, Besuch nur in Verbindung mit der Dalí-Ausstellung, Eintritt 11 Euro.

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