Stadtleben : Das Kaufhaus gab einen aus

Ständchen von Patricia Kaas: 1600 Gäste feierten nach Ladenschluss den 100. KaDeWe-Geburtstag

Bernd Matthies

Es ist noch nicht einmal fünf Jahre her, dass die Halle gleich hinter dem Eingang des KaDeWe für ständig wechselnde Wühltischaktionen genutzt wurde. Am Mittwoch, zum Abschluss des 100. Jubiläums des Hauses, gab dort die Sängerin Patricia Kaas einen umjubelten Auftritt - dieser einfache Gegensatz zeigt, wie sehr sich das Kaufhaus in dieser Zeit unter dem neuen Direktor Patrice Wagner verändert hat, von Berlins guter Stube zur ersten Weltstadtadresse. Es ging, wie Hartgesottene und Eingeweihte bestätigten, heiß her bis in die frühen Morgenstunden – eine Art einmalige Spezialversion des Presseballs mit etwas lockererer Kleiderordnung.

1600 geladene Gäste drängten sich um die Bühne und weiter oben in der ersten Etage, wo rechts ein wenig an die goldenen Zwanziger erinnert und links die Atmosphäre eines Chatrooms zum virtuellen Einkaufsbummel beschworen wurde. Alle Besucher ließen sich aus der Küche des Hauses mit einer unüberschaubaren Flut von Häppchen sowie Champagner ohne Ende bewirten; die Finanzkontrolleure des Konzerns und der Sponsoren waren für diesen besonderen Abend offenbar entmachtet (oder einfach auch eingeladen) worden.

Blitzlichtgewitter am roten Teppich, das bleibt nicht aus, wenn die üblichen und viele andere Prominente eingeladen sind. Rolf Eden und Udo Walz gehoren eher zum Inventar solcher Veranstaltungen, der WM-Held Jens Lehmann aber lässt sich beispielsweise eher selten sehen. Die Schönen vom Dienst - Eva Padberg, Franziska Knuppe, Verona Pooth – strahlten um die Wette, Schauspieler wie Winfried Glatzeder und Musiker wie Till Brönner plauderten versunken, ernste Politiker wie Michael Glos, Walter Momper oder Harald Wolf gaben sich zumindest sehr entspannt, und Karstadt-, pardon, Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz sah wohlgefällig, wie die Post unter der Leitung des Vorstandschefs Peter Wolf in ihrem Haus abging. Zwischendurch und mittendrin: reichlich Kamerateams, eifrige Society-Reporter.

Zum Geburtstag gibt es Geburtstagstorte, das ist auch im KaDeWe nicht anders. Allerdings dürfte es wohl selten eine wie diesen gegeben haben: Die Konditoren des Hauses hatten aus sehr viel Schokolade und gezielt eingesetzten goldenen Perlen den lebensgroßen Koffer einer ebenso berühmten wie im Haus prominent vertretenen Marke nachgebildet; er sah aus, als könne man damit ohne Umschweife die Erde umreisen, jedenfalls so lange, bis Patrice Wagner eine Ecke herausgeschnitten hatte. Er formulierte auch in seiner Begrüßung eine gewisse Wehmut über die Tatsache, dass das Jubiläum mit den vorangegangenen Mega-Umbauten nun vorbei und vergangen sei. Aber er versprach, man werde das Haus auch künftig mit kleineren Maßnahmen auf dem Laufenden halten, um international weiter vorn zu sein.

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