Das schlaucht : Bei 4. Berliner Feuerwehrmeisterschaft sind auch Frauen am Start

Am Freitag und Sonnabend findet die "4. Berlin Firefighter Challenge" am Potsdamer Platz statt. 240 durchtrainierte Feuerwehrleute aus Tschechien, Polen, den USA und Deutschland werden ihre Kräfte messen, darunter fünf Frauen.

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Heißer Parcours. Die Wettkämpfer müssen in voller Montur ein Schlauchpaket die Treppe hochtragen, ein Gewicht mit einem Vorschlaghammer bearbeiten, Slalom laufen, mit dem Schlauch zielspritzen und ein Dummy-Opfer 30 Meter weit schleifen. Foto: Thilo Rückeis
Heißer Parcours. Die Wettkämpfer müssen in voller Montur ein Schlauchpaket die Treppe hochtragen, ein Gewicht mit einem...

Wie viele Frauen machen mit? Der Feuerwehrmann beginnt aufzuzählen: „Also vier Mann im Einzelfeld, und …“ Halt! Es muss Frauen heißen! Stefan Fleischer von der Pressestelle der Berliner Feuerwehr korrigiert: „Frauen.“ Dabei hatte er vorhin selber von „Jungs“ gesprochen.

Am Freitag und Sonnabend findet die „4. Berlin Firefighter Challenge“ am Potsdamer Platz statt. 240 durchtrainierte Feuerwehrleute aus Tschechien, Polen, den USA und Deutschland werden ihre Kräfte messen, darunter fünf Frauen. Eine ist Jenny Stolze, 22-jährige Kameradin der Freiwilligen Feuerwehr Biesdorf.

Die sprachlichen Fehltritte unter deutschen Feuerwehrmännern kennt Jenny schon, seit sie neun Jahre alt ist. Damals wurde sie Mitglied bei den ehrenamtlichen Lösch- und Rettungsexperten. „Die haben in der Schule was gezeigt. Und da ich sonst nichts zu tun hatte …“ Jetzt tritt sie zum vierten Mal beim Wettkampf der besten Feuerwehrmänner und -frauen (oder neutral: „Firefighter“) an, weil sie sich auf die Probe stellen möchte. Ihre Devise: „Zähne zusammen und durch.“

Auf einem Parcours müssen die Teilnehmer in „feuerwehrtypischer Einzelkleidung mit angeschlossenem Pressluftatmer“ ein Schlauchpaket die Treppe hochtragen, anschließend ein 70 Kilo schweres Gewicht mit einem Vorschlaghammer bearbeiten, Slalom laufen, mit dem Schlauch zielspritzen und ein 90 Kilo schweres Dummy-Opfer 30 Meter weit schleifen.

Die besten Männer schaffen das knapp unter zwei Minuten, Jenny braucht etwa drei Minuten länger. Im vergangenen Jahr hatte sie den Dummy zu früh fallen gelassen, da war der Sensor am Fuß noch nicht über der Ziellinie, was wertvolle Sekunden kostete.

Für Frauen gibt es keine gesonderte Wertung. Alle Teilnehmer sollen „an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit“ gehen, wie im richtigen Einsatz. Auch da sind für Frauen keine mildernden Umstände vorgesehen. Unter den 3500 Bediensteten der Berliner Berufsfeuerwehr sind gerade mal 20 Frauen.

Sportlich ganz vorn ist die Feuerwache Marzahn. Dort bereiten sich die Kameraden speziell auf den Wettbewerb vor. „Zirkeltraining, Krafttraining, Ausdauertraining – ein strammes Programm“, sagt Martin Kleinwächter vom Team „Toughest Firefighter Alive“. Kleinwächter misst zwei Meter und eins und hat das körperliche Potenzial zum Terminator.

Seine Bestzeit liegt bei 1,56 Minuten. Damit ist er vom Weltrekord (1,19) noch weit entfernt, aber bei den Weltmeisterschaften in Las Vegas war er schon vorne dabei. In den USA sind die Firefighter-Wettbewerbe große, auch kommerziell erfolgreiche Sportevents.

Jenny Stolze sieht den Wettkampf vor allem als Ansporn, fit zu bleiben. Am liebsten würde sie eine der 20 Profi-Feuerwehrfrauen werden. „Die Bewerbung läuft“, aber sie ist skeptisch, ob das klappt. Wenn nicht, wird sie Informatikerin und rettet Computer.

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