Stadtleben : Dauerkarte für die Waldbühne

Einst erweckte Peter Schwenkow das verwilderte Halbrund zum Leben Jetzt kämpft er zusammen mit der Anschutz-Gruppe um einen neuen Zuschlag

Christian van Lessen

Lang Lang nagt an ihm. Das abgesagte Konzert des chinesischen Pianisten am letzten Sonntag in der Philharmonie ist Veranstalter Peter Schwenkow unangenehm. Ein ausverkauftes Haus – und dann die Absage der Agentur, die den Künstler auf Welttournee schicken wollte. Wartende vorm ausverkauften Haus sind keine Reklame für einen erfolgverwöhnten Veranstalter. So wie Publikum von ihm, fühlt er sich von der Agentur im Regen stehengelassen. Dabei will er sich gerade freuen: Am 15. Juni ist es genau 30 Jahre her, dass seine Firma Concert Concept gegründet wurde. Und genau 25 Jahre, dass die Berliner Philharmoniker ihr erstes Waldbühnen-Konzert gaben. Auch diesmal werden sie spielen, mit einer Absage ist nicht zu rechnen.

Die Waldbühne ist sein Berliner Lieblingskind, das er 1981 aus der verwilderten Vergessenheit riss und seither gehätschelt und mit einem Bühnendach versehen hat. Unvergessen ist ihm der erste Sommernachtstraum-Auftritt der Philharmoniker, der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen dirigierte 1984 den Eröffnungstusch, und die Leute pfiffen. Die Waldbühne, schwärmt Schwenkow, hatte großen Anteil dran, dass die Sommermonate in Berlin aus dem kulturellen Leerlauf in Gang kamen. Er spricht gern von den frühen Sommern. Aber wie auf Knopfdruck hat er die Zukunft vor Augen: Die tollen Projekte für Kinder, das „Taschenlampenkonzert“, und dann den „sexy Waldbühnen-Sommer“, zu dem unter anderem Celine Dion, Max Raabe und das Palastorchester, R.E.M., André Rieu, Herbert Grönemeyer und Eric Clapton beitragen sollen. „Das wird eine starke Waldbühnen-Saison“, sagt er. Gar seine letzte?

Die Waldbühne wird wieder einmal ausgeschrieben, das kommt alle paar Jahre vor. Da Schwenkow immer wieder das Rennen machte, fiel das Vergabeverfahren nicht weiter auf. Er und die Bühnen – das scheint unzerbrüchlich. Gerade bastelt und feilt der Senat an europaweiten Ausschreibungstexten, und Schwenkow und seine DEAG Deutsche Entertainment werden sich wieder bewerben. Diesmal aber gemeinsam mit der Anschutz-Gruppe, die bald die O2-Arena eröffnet. So ist die Arena am Ostbahnhof („Sie wird der Maßstab aller Dinge“) nicht Konkurrenz, sondern Partner.

Mit der Waldbühne habe er für das Land Berlin viel Geld verdient, sagt er stolz, die Miete orientiert sich an den Einnahmen. Er habe einst die schlafende Bühne geweckt, über die Stadtgrenzen hinaus populär gemacht, und hoffe künftig auf „mehr Flexibilität“ bei der Mietpreisgestaltung, um weiter Highlights holen zu können. Die letzten zwei Jahre habe es die Bühne trotz Barbra Streisand schwer gehabt, mit der privatisierten Wuhlheide gebe es einen „gigantischen Wettstreit“, aber in der Stadt sei Platz für beide. Nur ein Bruchteil der DEAG-Umsätze werde übrigens noch in Berlin erzielt, der Stadt, in der das Unternehmen wurzelt. „So lange wir die Waldbühne betreiben, sind wir ein Berliner Unternehmen“, sagt er. An der Waldbühne hängen sein Herz und viele andere Entscheidungen.

Vom Fensterband seines Büros – es sind die Räume, in denen noch vor paar Jahren der Architekt Edgar Wisniewski arbeitete – hat er die Philharmonie vor Augen. Und im Geist das gerade verpatzte Konzert. Auf dem Boden des Büros liegen ausgebreitet druckfrische Plakate von der Peter-Maffay-Tournee 2009, gleich wird der Sänger vorbeikommen und Einzelheiten besprechen. Es ist nicht die Zeit, noch lange über Lang Lang nachzudenken. Christian van Lessen

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