Stadtleben : Demo in Abendkleid und Smoking

Die einen werfen Steine, die anderen vertrauen der Wirkung eines Smokings. Die Eröffnung der Arena mobilisiert heute die linke Szene Berlins: Die Halle sei zu groß, zu elitär, der Bauherr Anschutz sei ein „christlicher Fundamentalist“ und spende Geld für schwulenfeindliche Propaganda – Vorwürfe gibt viele. Wie das restliche Bauvorhaben „Mediaspree“ müsste insbesondere die Halle „versenkt“ werden, heißt es im Internet auf einschlägigen Seiten der linken Szene. In der Nacht zu Dienstag flogen die ersten Steine, und zwar in die Schaufenster von Geschäften des Mobilfunkanbieters O2 in Moabit und Weißensee. An den Tatorten wurden Flugblätter von den Hallengegnern hinterlassen.

Die eine Hälfte der Demonstranten will sich heute Abend im vertrauten schwarzen Kapuzenpulli der Halle nähern, die andere Hälfte will sich verkleiden. „Nur der feinste Zwirn zählt“, heißt es in einem Aufruf der „Hedonistischen Internationalen“. Sie wollen sich unter die 1000 Ehrengäste schmuggeln, farbkopierte Einladungskarten in der Hand. Und dann? Das verraten die Hedonisten nicht genau, nur ihre Parole: „Macht, was ihr wollt, nicht was ihr müsst!“

Die Demonstranten ohne Smoking wollen sich um 18 Uhr am Kottbusser Tor sammeln und dann über die Spree nach Friedrichshain marschieren. Doch bis vor die Halle dürfen sie nicht ziehen, die Polizei schreibt 300 Meter Sicherheitsabstand vor. Dagegen klagten die Organisatoren vor dem Verwaltungsgericht – und verloren den Prozess. Die Polizei jedenfalls erwartet Krawall, mehr als 600 Beamte sollen echte und falsche Smokingträger sortieren und potenzielle Steinewerfer auf Abstand halten. Ha

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