Stadtleben : Der Agent in der Friedrichstraße

Hier war er Soldat, James Bond, Unicef-Botschafter Heute stellt Roger Moore seine Autobiografie vor

Andreas Conrad
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Bond, der Buchautor. Roger Moore war gestern schon in Berlin – und signierte bereitwillig auch ein Modell seines 007-Dienstwagens...

Die Sensation des Genfer Automobilsalons 2008 war eine lahme Ente: Gerade mal 120 km/h – auf der Straße! Immerhin ein Amphibienauto, doch unter Wasser kam es gerade mal auf 3 km/h. Das SQuba genannte Fahrzeug hatte jedoch ein berühmtes Vorbild, jeder Kenner der Abenteuer von James Bond wird sachkundig nicken: den weißen Lotus Esprit in „Der Spion, der mich liebte“. Das für den Einsatz mit Radar, See-Luft-Raketen, Minenabwurfgerät und anderem Agentenspielzeug aufgerüstete Auto war für die 007-Filme mit Roger Moore etwa das Gleiche wie der Aston Martin DB5 aus „Goldfinger“ für die Sean-Connery-Phase. Naheliegend also, bei der Begegnung mit Sir Roger am gestrigen Pfingstmontag einen Modell-Lotus dabei zu haben, um ihn sich vom berühmten Fahrer womöglich signieren zu lassen.

Womit man zugleich diskret andeutete, sich auf den Anlass des Berlin-Besuchs hinreichend vorbereitet zu haben. Wie so viele seiner Kollegen hat nun auch Roger Moore seine Autobiografie geschrieben – und darin genau „Der Spion, der mich liebte“ hervorgehoben: „Von allen meinen Bond-Filmen ist mir dieser der liebste“ – schon wegen des „gleichen Sinns für Humor“, den er und Regisseur Lewis Gilbert teilten, wie er im Gespräch ergänzt. An diesem Dienstag stellt er sein Buch „Mein Name ist Bond... James Bond“ vor, von 16 Uhr bis 17.30 Uhr im Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße 90. Am Montagnachmittag gab er im Westin Grand schon mal Interviews – zum Buch, zum Leben, zur wichtigsten Rolle seiner Schauspielerkarriere.

Mit Berlin verbindet Moore manche Erinnerungen, die in der Autobiografie nur etwas kurz geraten. In den vergangenen Jahren war er wiederholt als Unicef-Botschafter hier, erhielt 2003 im Schloss Bellevue von Bundespräsident Johannes Rau für die Arbeit zugunsten des Kinderhilfswerks das Bundesverdienstkreuz. Leider hat er es nicht dabei, es stecke wohl an einem der Sommerjacketts, glaubt seine Frau Christina, die gern bei solchen Terminen dabei ist, sich zu erinnern, aber er kann das ungewohnte Wort fast glatt aussprechen: „Bundesverdienstkreuz.“ Und gerne erläutert er auch sein vorn im Buch prangendes Familienwappen, das er seit der Ernennung zum Knight Commander of the British Empire tragen darf. Das Wappentier? „Ein Moorhuhn – Anspielung auf den Namen Moore.“

In Berlin war er erstmals 1947 als britischer Soldat, im Buch bleibt das unerwähnt. „Ein sehr kurzer Besuch“, wie Roger Moore erzählt. Als junger Offizier gehörte er damals einer Einheit an, die für die Truppenbetreuung zuständig war, organisierte Aufführungen mit deutschen Schauspielern, Komikern, Tänzern, stand zuletzt auch selbst auf der Bühne, nicht aber in Berlin. Jahrzehnte später hat er hier gedreht, für „Octopussy“, seinen sechsten 007-Film. Darin wechselt er am Checkpoint Charlie in den Osten, eine fiktive Situation, die dennoch unter den DDR-Grenzern einige Aufregung verursacht haben soll. Moore selbst hat davon nichts mitbekommen, Probleme beim Drehen habe es, soweit er sich erinnere, keine gegeben. 1982 war das.

Zehn Jahre später war er erstmals tatsächlich im Osten der Stadt, besuchte, wie er erzählt, eine Fabrik, die Mittel für die Oral Rehydration Therapy herstellt – eine Behandlungsmethode, um den Flüssigkeitsverlust bei Diarrhoe-Patienten auszugleichen. Ein vom Glamour denkbar weit entferntes Thema, doch Sir Roger lässt schon im Buch keinen Zweifel: Bond mag die berühmteste Rolle gewesen sein, die wichtigste ist doch die als Unicef-Botschafter. Und seine beste als Schauspieler? Moore muss nicht nachdenken. „Ein Mann jagt sich selbst“ von 1970, eine Doppelgängerrolle. Ist der wiederholte Hinweis im Buch auf „meine beschränkten schauspielerischen Möglichkeiten“ also doch nicht ganz ernst gemeint, britisches Understatement gar? „Oh, I’m a wonderful actor“, flachst Moore. Schon sein Agent habe ihn gewarnt, sich herabzusetzen, sonst glaubten es die Leute noch. Aber er übe sich nun mal lieber in Bescheidenheit. „Dann haben die Leute Mitleid mit dir.“ Andreas Conrad

Roger Moore: Mein Name ist Bond... James Bond. Die Autobiografie. I.P. Verlag, Berlin. 384 Seiten, 19,90 Euro

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