Stadtleben : Der Alte Fritz im Nikolaiviertel

Die „Historiale“ zeigt Berlin zur Zeit des Rokoko – mit Tschingderassabumm

Das Nikolaiviertel wird zur Kulisse für das Leben und Treiben im höfischen Berlin zur Zeit des Rokoko: Vom 29. bis zum 31. August steht der älteste Teil der Stadt ganz im Zeichen der Geschichtsschau „Historiale“, die sich mit ihrer nun schon vierten Auflage im hauptstädtischen Veranstaltungskalender etabliert hat. „200 Geschichtsdarsteller, vor allem von Traditionsgemeinschaften aus dem ganzen Land, lassen das Berlin des 18. Jahrhunderts lebendig werden“, sagt Wieland Giebel, dessen Verlagsbuchhandlung Berlin Story das dreitägige Spektakel rund um die Nikolaikirche veranstaltet.

Dabei schlüpfen zahlreiche Handwerker und Händler in historische Trachten, Bürstenmacher, Schmiede, Töpfer, Bäcker und Keramiker sind aktiv dabei sowie das Ensemble Historischer Tanz der Universität der Künste, ein Kindertanztheater, vor allem aber Soldaten und die legendären „Langen Kerls“. Jedenfalls verwandelt sich das komplette Viertel um St. Nikolai mit einem historischen Markt, szenischen Darstellungen, Musik, Gesang und Tanz in das alte Berlin, wie es vor 250 Jahren gewesen sein könnte.

Das Ganze wird sicher sehr fotogen, denn kein Geringerer als Friedrich II. zieht am Freitag, 29. August, gegen 18 Uhr mit seinen Soldaten ins Nikolaiviertel ein. Kaum haben Majestät auf einem Thron Platz genommen, gibt es auch schon den ersten Interviewtermin für den Alten Fritz, der auch an den nächsten Tagen nicht zur Ruhe kommt. Am Sonnabend, 30. August, spricht er zum Beispiel um 10 Uhr 30 beim Morgenappell zu seinen Truppen, die um 12 Uhr 45 in der Poststraße beim Spießrutenlauf zeigen müssen, wie früher Soldaten bestraft wurden. Friedrich II. wird übrigens von jenem Dr. Olaf Kappelt verkörpert, der stets am Brandenburger Tor in Friedrichs blaue Uniform schlüpft, sich die Nase pudert und unterm Dreispitz Touristen mit wahrhaft fritzischem Wortschatz die Stadt erklärt.

Am 30. August lädt Walter Momper, Präsident des Abgeordnetenhauses, zur langen Historiale-Nacht ins Landesparlament. Harfentöne zirpen durchs Haus, das zu jeder vollen Stunde besichtigt werden kann, um 20 Uhr gibt es ein historisches Theaterstück und um 23 Uhr ein Gespräch mit Walter Momper zu Fragen der Zeit von damals und heute. Lo.

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