Stadtleben : Der Bär muss sein

Ohne Antonia Neubacher fehlte der Berlinale was: Die Grafikerin gestaltete die Festivalplakate

Ein kräftiges, sattes Rot, der aufrechte Bär, der geschwungene Berlinale-Schriftzug: Das sind die Erkennungszeichen der Filmfestspiele. Das sind auch die wenigen Elemente, auf die sich Antonia Neubacher in ihrer diesjährigen Plakatserie konzentriert hat. Zum fünften Mal gestaltete die österreichische Grafikerin die großformatigen Poster, die an den Bushaltestellen und Litfasssäulen der Stadt hängen. Das Hauptplakat und die Varianten der acht Sektionen – Panorama, Generation, Perspektive Deutsches Kino, Forum, Retrospektive, Shorts, Talent Campus und European Film Market – sind die Aushängeschilder der Berlinale.

Der Bär steht im Mittelpunkt von Antonia Neubachers Entwürfen. In Weiß auf rotem Grund flimmert er in verschiedenen Formen und Größen durch das Bild. Die Komposition hat etwas Zufälliges, ist aber sorgfältig geplant. Neubacher mag eine „klare, offene, frontale Ansprache“, verstärkt durch kleine Irritationen und Widersprüche. So wie bei einem ihrer Lieblingsstücke, dem Talent Campus- Motiv. Der Bär vom Hauptplakat steht Kopf, der Hintergrund leuchtet in grellem Pink. Traditionen infrage stellen, Neues schaffen: So interpretiert Neubacher die Rolle des Nachwuchses.

So reduziert wie ihre grafische Sprache ist auch das Umfeld Antonia Neubachers. Die 44-jährige Künstlerin wohnt und arbeitet in einer schlicht eingerichteten Altbauwohnung in Prenzlauer Berg. „Aufhübschungen“, sagt sie, seien nicht ihr Stil. Auf zwei langen Schreibtischen stehen zwei Flachbildschirme und ein Notebook, das Berlinale-Hauptplakat hängt an der weißen Wand. Keine Farben, keine Skizzen, kaum Dekoration.

„Die Plakate drücken immer auch die Haltung, das Selbstverständnis des Festivals aus“, sagt die Wahl-Berlinerin: „Das sollen keine geschmeidigen Werbeposter sein.“ Anders als bei Aufträgen zur Katalog- oder Magazingestaltung bekam Antonia Neubacher vor der Berlinale aber keine inhaltlichen Vorgaben. Die Plakate seien die „visuelle Klammer“ .

Die Berlinale und Antonia Neubacher, das sind mittlerweile gute Bekannte. Seit Dieter Kosslick 2002 die Leitung der Filmfestspiele übernahm, war Neubacher vier Jahre für die Gestaltung der Plakatserie verantwortlich. Nachdem für 2006 und 2007 andere Agenturen den Zuschlag bekamen, entschieden sich die Juroren jetzt wieder für, die „Einzelkämpferin“, wie sie sich selbst bezeichnet. Ihr Stil der früheren Arbeiten setzt sich fort. Die reduzierte Komposition der Berlinale-Plakate habe sich bewährt. cko

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