Stadtleben : Der diskrete Macher

In der Berliner Hotelszene ist Willy Weiland ein ambitionierter Vertreter der Visionäre

Unter den Machern des neuen Berlins ist er einer der diskretesten. Man sieht ihn selten auf glamourösen Galas – dafür ist er hinter den Kulissen aktiv wie kaum ein anderer: Willy Weiland, der Präsident des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands, feiert heute seinen 60.Geburtstag, und er tut auch dies, wie bei ihm üblich, ohne großen Rummel.

Verbandspräsident – das ist nur ein wichtiges Ehrenamt. Sein Geld verdient Weiland als General Manager des Hotels Intercontinental, das unter seiner Leitung zum führenden Kongresshotel der Stadt wurde und sich seit Jahren auf der Liste der umsatzstärksten deutschen Häuser auf dem vierten Platz behauptet. Diesen Job macht er seit 1991, und auch das ist nur ein Teil seiner Aufgaben. Offizieller Titel seit 2007: Director of Operations, verantwortlich für alle Intercontinental Hotels in Deutschland, Polen und Kiew.

Geboren im niedersächsischen Fallingbostel, hat er sich auf klassischem Weg nach oben gearbeitet: Kochlehre, dann ab 1969 Hotelfachschule in Berlin – und seit 1973 auf den verschiedensten Positionen bei Intercontinental, überwiegend als Spezialist fürs Geld: „Financial Controller“ in London und Athen, Finanzdirektor für Deutschland und Südeuropa, Vize im Interconti Frankfurt, schließlich Chef im Schweizerhof Berlin, ein Jahr in Wien, zurück in Berlin ...

Heute ist Weiland der Motor hinter den ehrgeizigen Zielen, die sich die Berliner Hotelbranche setzt. 20 Millionen Übernachtungen bis 2010 – das galt als leicht wahnsinnig, als er es zu ersten Mal formulierte. Heute ist es ein anerkannt realistisches Ziel. Er mischt mit bei allen Themen, die die Branche bewegen, hat die Entwicklung beim Rauchverbot wohl als Niederlage hingenommen, setzt sich unverdrossen weiterhin für Kompromisse ein, mit denen alle Seiten leben können. Bei aller Verbindlichkeit kämpft er hart für ehrgeizige Ziele: Der aufwendige Bau des Restaurants „Hugos“ unter dem Hoteldach, von der Branche skeptisch beäugt und für Intercontinental durchaus untypisch, hat sich längst als Geniestreich erwiesen. Schon früh war das Haus auf Hauptstadtanforderungen eingestellt und ist seitdem Schauplatz des Bundespresseballs. Die guten Sicherheitsbedingungen zogen viele Staatsgäste ins Haus, darunter Bill Clinton.

Bei all dem Tatendrang war er vermutlich selbst am meisten darüber überrascht, dass er auf dem Höhepunkt seiner Karriere noch Zeit fand, eine neue Familie zu gründen: Tochter Magdalena krabbelt gerade dem ersten Geburtstag entgegen. bm

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