Stadtleben : Der fliegende Berliner

Wenn die Mutter die Fleischtöpfe auf den Esstisch stellt, lädt sich Gengis Ademoski, 17, gern den Teller voll. „Bei Mama haue ich richtig rein“, sagt Ademoski und lacht. Allzu viele Sorgen wegen eines dicken Bauches brauche er sich nicht machen. 1,68 Meter ist er groß, sein Körpergewicht: 60 Kilo. Jeden Tag trainiert Ademoski mindestens dreieinhalb Stunden. Er ist Breakdancer bei den „Flying Steps“ aus Kreuzberg, einer der besten Tanzgruppen Europas. Er wirbelt zu lauten Beats durch die Luft, fliegt übers Parkett, verlagert sein Körpergewicht auf nur eine Hand. Am Mittwochabend tanzt Gengis in Paris beim relevanten „Red Bull BC One“. Relevant? Na, dort treten die weltweit besten 16 Breakdancer an.

Gengis Ademoski – seine Eltern stammen aus Mazedonien – wuchs in Saarbrücken auf, hat gerade den Hauptschulabschluss geschafft und pendelt zwischen dem Saarland und Berlin hin und her. In der Kantstraße in Charlottenburg wohnt er in einer WG, gemeinsam mit anderen Tänzern der Crew. Gemeinsam geht es auch zum Training: in die „Flying Steps Academy“ am Tempelhofer Ufer 10, der eigenen Tanzschule. Vier Weltmeistertitel hat die Crew aus Berlin schon gewonnen, seit sie Anfang der 90er Jahre gegründet wurde. Auch bei der Eröffnungszeremonie der Fußball-WM 2006 vor einem Millionenpublikum stand sie auf dem Rasen und zeigte spektakulärste Akrobatik. Ademoski ist der Jüngste der Gruppe und konnte „früher nichts mit der Fußball-AG in der Schule anfangen“. Mit seinem drei Jahre alten Bruder Elviz ist er als Kind mal zum Breakdance gegangen, Gengis blieb und hat sich nach oben getanzt. „Ich bin aggressiv und schnell auf der Bühne, es ist ja ein Battle, ein Kampf, eins gegen eins“, sagt er. „Aber hinterher gibt man sich die Hand.“ Profitänzer will er werden, natürlich, aber wenn er älter wird? Ach, sagt er nur, bei den Weltmeisterschaften sehe er immer „so eine alte Dame breaken, langsam zwar – aber vor der hab’ ich echt mal Respekt“.AG

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