Stadtleben : Der Geist von Hollywood

Shirley MacLaine stellte in der Heilig-Kreuz-Kirche ihr spirituelles Buch „Weiser, nicht leiser“ vor

Udo Badelt

Die Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg war gestern Abend bis auf den letzten Platz gefüllt. Wo sonst der Altar steht, standen allerdings zwei Korbsessel und ein Tischchen mit rosa Decke. Eine Art Gottesdienst war es dennoch, was sich da ereignete: Denn Hollywood-Star Shirley MacLaine trat auf und wirkte wie eine Priesterin, so fest glaubt sie an die Wiedergeburt des Menschen. Die 74-jährige Schauspielerin ist nach Berlin gekommen, um für ihr neues Buch „Weiser, nicht leiser“ zu werben. Die titelgebende Weisheit ihres Buches ist vor allem eine esoterische. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin befasst sich Shirley MacLaine schon seit über 25 Jahren ganz unerschrocken mit Spiritualität: Wo kommen wir her, wo waren wir eigentlich, bevor wir geboren wurden, könnten die Götter Außerirdische sein? Mittels Reinkarnationstherapien hat sie versucht, in ein früheres, pränatales Leben zurückzukehren.

In der Heilig-Kreuz-Kirche traf MacLaine gestern Abend auf einen Saal voller Fans, die sie mit stehenden Ovationen feierten, noch bevor die zierliche Frau überhaupt ein Wort gesagt hatte. Viele hatten ältere Bücher von ihr zum Signieren mitgebracht. Denn Shirley MacLaine hat schon sechs andere Bücher zu diesen Themen veröffentlicht. In „Weiser, nicht leiser!“ betrachtet sie vor allem das Ende des Lebens: Es geht um die positiven Seiten des Älterwerdens, alternative Heilmethoden und um nichts weniger als darum, was nach dem Tod passiert. Auch die extrem seltene Sternenkonstellation von 2012, die viele Kulturen und indianische Kalender vorhersagen, spielt eine Rolle.

Angereichert ist das Ganze mit autobiographischen Elementen, mit Anekdoten und Erinnerungen an ihre Karriere in Hollywood, an die Zeit mit dem Rat Pack, an Jack Lemmon und George McGovern, für den sie Anfang der 70er Jahre Wahlkampf gegen Richard Nixon gemacht hat.

Gestern Nachmittag hatte sie schon im Kulturkaufhaus Dussmann an der Friedrichstraße in Mitte ihr neues Buch signiert. Einige der Besucher dürften sich noch an jene Szene erinnert haben: Die Berlinale war noch am Kurfürstendamm, im Astor-Kino an der Ecke Fasanenstraße läuft „Irma La Douce“ – und als das Licht wieder angeht, steht Shirley MacLaine leibhaftig vor der Leinwand. Sie ist mit dem Taxi direkt aus Tegel gekommen, um mit dem Publikum über Billy Wilder und die Zusammenarbeit mit ihm zu plaudern, später nimmt sie ihren Ehrenbär in Empfang. Das ist gefühlte Jahrzehnte her, am Ku’damm sind die Zeiten für große Stars vorbei, das Astor ist einem Shop einer Bekleidungskette gewichen. Aber Shirley MacLaine kam wieder. Udo Badelt

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