Stadtleben : Der Mann und das Meer

Jean-Michel Cousteau zeigt 3D-Film über Wale

Annette Kögel

Bevor er zu dieser Promotion-Tour startete, war er schnell noch mal tauchen. „Nahe dem Amazonas, ich habe pinkfarbene Delfine gesehen – wunderschön.“ Jean-Michel Cousteau tauchte das erste Mal, da war er sieben, und sein Vater, der bekannte Meeresforscher Jacques-Yves warf ihn einfach vom Boot über Bord, mit einem selbst entwickelten Atemgerät. „Seitdem liebe ich Tauchen, ich brauche das, um meine Batterien aufzuladen“, sagt der mittlerweile 70-jährige Junior mit der bunten Fisch-Krawatte. Jetzt steht ein Schwarm Journalisten vorm Besprechungszimmer im Marriott Hotel in Mitte an, weil Cousteau seinen 3D-Film über Delfine und Wale in Berlin vorstellt.

„Was? Es gibt hier ein Hotel mit riesigem Aquarium? Das muss ich mir angucken“, sagt der Mann aus Santa Barbara, Kalifornien, als er von der wohl noch passenderen Unterkunft erfährt. Doch erst mal macht er Werbung in eigener Sache. „Delfine und Wale: Nomaden der Meere“, heißt die 40-Minuten-Produktion, die ab 13. März im Imax läuft. Sechs Millionen US-Dollar betrug das Filmbudget, gedreht wurde drei Jahre, etwa in Tonga, Portugal und Argentinien. Dank Regisseur Jean-Jacques Mantello und dessen Bruder und Produzent François, ist ein ruhiger, für heutige Sehgewohnheiten beinahe zeitlupenhaft wirkender Film entstanden. Man driftet als Zuschauer so sachte an riesigen Finnwalen und putzigen Manatees, Schweinswalen (von denen auch einige in der Ostsee leben) und Orcas vorbei, als hätte man selbst die Atemluftflasche auf dem Rücken. In der amerikanischen Version spricht Schauspielerin Daryl Hannah wie entrückt die Erläuterungen ein, im Deutschen ist es Martina Gedeck.

All diese Giganten der Meere, die Verwandte der Elefanten sind oder dem Menschen sehr nah, die singen können fast wie Papageien, sind vom Aussterben bedroht. „Das geht mir so nahe, weil ich nach all meinen Begegungen das Gefühl habe, diese Tiere sind unser Pendant im Meer.“ Doch sie seien teils todkrank, „weil die Meere zum Verklappen von Giften benutzt werden“. Mit seiner Organisation „Ocean Future Society“ beklagt Cousteau in Tradition seines Vaters, „dass auf dem Pazifik Müllteppiche herumtreiben, doppelt so groß wie Texas“. Zudem verfingen sich Tiere in riesigen kaputten Fischernetzen. „Diese wunderbaren Geschöpfe sind auch bedroht, weil die Sonare der Marine ihren Orientierungssinn beeinträchtigen, und weil in Ländern wie den USA und Japan immer noch Wale gejagt werden.“ Die Meere seien überfischt, damit die Nahrungsgrundlage gefährdet, und Delfine würden als Beifang in Netzen sinnlos sterben. „Ganz abgesehen vom Klimawandel, der auch den Golfstrom zum Erliegen zu bringen droht.“ Wenn die Leute aus dem Kino kommen, so hofft Cousteau, werden sie sich verpflichtet fühlen, eigene Verhaltensweisen zu ändern. Zum Klimawandel sagt er nüchtern: „Die Natur wird überleben, ob mit oder ohne Menschen.“

Für seine Lobbyarbeit zugunsten der noch existierenden 80 Meeressäuger-Arten, für Film- und TV-Produktionen, Reden vor der UN oder Olympischen Spielen sowie für Disney-Produktionen hat Cousteau schon unzählige Auszeichnungen bekommen. Er arbeitet zusammen mit der Nasa, denn „bevor Astronauten in den Weltraum starten, proben sie alles in der Schwerelosigkeit unter Wasser.“ Eigentlich hat Cousteau ja Architektur studiert, weil er Unterwasserstädte bauen wollte. Nun hat er das ökologische „Jean-Michel Cousteau Fiji Islands Resorts“ begründet. Dort kann man ökologisch korrekt tauchen. „Was Umweltschutz angeht, seid aber ihr Deutschen führend“, sagt der Aktivist. Einmal war er auf Expedition bei den nördlichsten Hawaii-Inseln. Dort hielten die Naturfilmer fest, wie Seevögel versehentlich Feuerzeuge an ihre Jungtiere verfütterten - angetriebener Müll. „Den Film konnte ich George W. Bush persönlich zeigen.“ Der erklärte das Gebiet zum „Marine National Monument“. Nach Berlin hat er nun einen Termin in Frankreich, beim Präsidenten. So einer wie Jean-Michel Cousteau , der taucht nicht ab. Annette Kögel

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