Stadtleben : Der Politik die Stirn geboten

Nach dem G-8-Gipfel will Herbert Grönemeyer weiter gegen Armut kämpfen Morgen Abend tritt er vor 65 000 Fans im Olympiastadion auf

Sebastian Leber

Mit Wut im Bauch singt man am besten. Altes Rock’n’Roll-Gesetz. So gesehen werden die 65 000 Zuschauer im Olympiastadion ein großartiges Konzert erleben. Denn Herbert Grönemeyer ist richtig sauer.

„Eine Unverschämtheit“ nennt der Sänger die Beschlüsse der G-8-Politiker in Heiligendamm. Die dort gemachten Hilfszusagen für Afrika und das Weltklima seien bloß vage Absichtserklärungen. Aber Grönemeyer lässt nicht locker: Auch morgen Abend wird er auf die drängenden Probleme Afrikas hinweisen – sein neuer Song „Marlene“ prangert die ungerechte Verteilung von AidsMedikamenten an. Neben politischen Statements gibt es auch die alten Hits von „Bochum“ bis „Männer“ zu hören. Vielleicht wird er, wie kürzlich in Gelsenkirchen, sogar das Lied „Currywurst“ aus den frühen 80ern singen. Das hat einst Schauspieler Diether Krebs für ihn komponiert.

Zweieinhalb Stunden will Grönemeyer auftreten, bis zu neun Zugaben spielen. Es gibt noch Karten zum Preis von 43 Euro. Im Vergleich zu anderen Stadionrockern ist das preiswert: Wenn im Juli an selber Stelle Genesis auftreten, kostet die billigste Eintrittskarte 60 Euro. Eigentlich wäre Grönemeyer lieber in einem kleinerem Stadion aufgetreten – aber das großdimensionierte Bühnenkonzept mit Riesenleinwand, Streichorchester und 40 Meter langem Steg ins Publikum ließ ihm keine andere Wahl. Für das Bühnenbild ist sein Freund, der niederländische Starfotograf Anton Corbijn, verantwortlich. Die beiden kennen sich, seitdem Corbijn für Grönemeyer diverse Musikvideos drehte. Außerdem waren sie Nachbarn in London.

Inzwischen pendelt Herbert Grönemeyer mit seiner Familie zwischen Berlin und London. In Zehlendorf besitzt der 51-Jährige ein Haus, auch ein Aufnahmestudio hat er sich hier mittlerweile eingerichtet. Und neben seinem vielbeachteten weltpolitischen Engagement kümmert sich der Sänger auch um seine Berliner Nachbarschaft. Anfang des Jahres setzte sich Grönemeyer für den Fortbestand einer Kita in der Zehlendorfer Schmarjestraße ein.

Damit nicht genug: Nach seinem Appell an die G-8-Politiker in Heiligendamm und seiner Enttäuschung über deren Abschlusserklärung fordern ihn Anhänger im Internet auf, sich auch wegen anderer Ungerechtigkeiten zu Wort zu melden. Manche raten ihm, bei der nächsten Bundestagswahl zu kandidieren. Andere Fans fordern einen ambitionierten „Tierschutzsong“, der zur Rettung von Walen, Legehennen und Papageien in Käfighaltung aufruft. Dazu hat sich Grönemeyer bis jetzt nicht geäußert – aber wenn schon Tierschutzsong, dann wird der Sänger mit Sicherheit auch für das Wohl der Eisbären eintreten. Schließlich hat er sich vor Jahren im Video zu seinem Song „Mensch“ ein Ganzkörper-Eisbärkostüm übergestreift. Das war auch eine Idee von Anton Corbijn.

Karten bestellen im Internet

www.berlin-ticket.de

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