Der Trendstratege : Forschen für die Zukunft

Sein Job: Reisen, lesen, fotografieren - und dabei Sehnsüchte ermitteln. Trotz seiner "zeitlosen Eleganz" empfindet Trendforscher Alexander Mankowsky Mercedes-Benz als modische Marke, die Innovation zulasse.

Anna Corves
Mankowsky
Alexander Mankowsky ist Querdenker bei der Daimler AG. -Foto: promo

Bei seinem Lebenslauf würden Jobberater sonst sorgenvoll dreinschauen: Diplom in Soziologie, Philosophie und Psychologie. Vier Jahre lang Streetworker für drogenabhängige Jugendliche und Kinder aus Problemfamilien. Doch um Alexander Mankowsky, grauer wilder Lockenkopf, flinke Synapsen, muss man sich keine Sorgen machen: Er ist hauptberuflicher Querdenker bei der Daimler AG. Als Zukunftsforscher soll der 51-Jährige den automobilen Zeitgeist von morgen erspüren. Sein Schreibtisch steht im Berliner Forschungszentrum „Technik und Gesellschaft“.

Einen Einblick in Mankowskys Arbeit bot sein Vortrag „Auto und Kultur“, zu dem Mercedes-Benz als Namenssponsor der Berliner Fashion Week am Mittwochabend geladen hatte. Historisch leitete er her, wie in der Zeit des Rokoko in Europa das Gefühl für Ästhetik und Innovation entstanden ist. „Das Bedürfnis nach Luxus wurde Motor der Zivilisation.“ Das neue Verständnis von Lebensqualität habe sich weltweit verbreitet. Auch in den heutigen Mega-Metropolen wie Schanghai zeige sich der Wunsch nach Erholung inmitten dichtester Bebauung, die Lust am Schönen.

Vor 20 Jahren hätte Mankowsky das noch philosophisch ausgedeutet. Als Trendforscher der Daimler AG widmet er sich den großen Zukunftsfragen aber auf dem konkreten Feld der Mobilität. Seine Aufgabe ist es herauszufinden, was genau der Kunde in den nächsten zehn Jahren von Mercedes als „Botschafter des europäischen Luxus“ verlangen wird. Dazu macht Mankowsky Sachen, die für andere nach Freizeit klingen: Lesen. Reisen. Messen besuchen. Alltag fotografieren. Weltmetropolen vergleichen. So kristallisiert er Trends heraus, ermittelt Sehnsüchte und stellt sie der Unternehmensleitung vor. Dass seine Einschätzungen anerkannt werden, „hat viel mit Vertrauen zu tun“. Aus den Erkenntnissen werden Forschungs- und Entwicklungsbereiche, wie der des „green luxury“. Dabei geht es um Produkte, die gleichermaßen energieeffizient sind und dennoch Spaß machen. Daran tüftelt Mankowsky auch ganz praktisch, in enger Zusammenarbeit mit den Technikern: Wie kann man etwa Autositze entwickeln, die sich durch Bewegung durchlüften lassen? Oder: Welche Materialien erfüllen den Wunsch nach Authentizität, nach Einfachheit und Natürlichkeit am besten?

Trotz seiner „zeitlosen Eleganz“ empfindet Mankowsky Mercedes-Benz als modische Marke, die Innovation zulasse. Automobile spiegeln Zeitgeist wider, wenn auch nicht so schnell und kurzlebig wie Bekleidung. Schaut man sich zum Beispiel den Mercedes W 110, die so genannte „Heckflosse“, an, ist der mit seiner geradlinigen Form auch für Laien als Geburt der 60er Jahre zu identifizieren. Für die Zukunft prophezeit Mankowsky den Wunsch nach unregelmäßigen Mustern und feinen Details. Dann wären bald dunkelmattierte Autos mit im Lack verborgenen, tatooähnlichen Ornamenten auf den Straßen unterwegs. „Man will eine Augenweide.“ Doch bis es soweit ist, müssen die technischen Möglichkeiten die gesellschaftlichen Trends erst noch einholen. Anna Corves

Mankowskys Job: Reisen, lesen, fotografieren – und dabei Sehnsüchte ermitteln

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