Stadtleben : Der Waffenmeister von James Bond: Filmdesigner Ken Adam wird geehrt

Der US-Präsident war gewählt, besichtigte seinen Arbeitsplatz, und was war eines der ersten Dinge, die er wissen wollte? Wo denn der „War Room“ sei. Nein, bei Obama ist das nur schwer vorstellbar, aber mit Ronald Reagan soll es sich so zugetragen haben. Filmdesigner Ken Adam musste die Anekdote schon oft erzählen, kennt sie aus zuverlässiger Quelle. Reagan war eben als ehemaliger Filmschauspieler kinokundig, hatte offenbar Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ gesehen, mit dem von Adam fürs Filmset entworfenen, frei erfundenen War Room.

Am Donnerstagabend wird der Filmdesigner im ehemaligen Kosmos-Kino in der Karl-Marx-Allee mit einem der höchstdotierten Designerpreise geehrt, mit dem „Lucky Strike Designer Award“, der von der Raymond-Loewy-Foundation vergeben wird. 50 000 Euro gibt es dafür, frühere Preisträger waren etwa Michael Ballhaus, Donna Karan oder Karl Lagerfeld.

Ken Adam stammt aus Berlin, wurde am 5. Februar 1921 als Klaus Hugo Adam in der Tiergartenstraße 8, einer großbürgerlichen Stadtvilla, geboren, seinem Vater gehörte das bekannte Sporthaus S. Adam an der Leipziger Ecke Friedrichstraße. 1932 ging das Kaufhaus pleite, ein Jahr später floh die Familie nach England. Im Krieg war Adam Jagdflieger, der Einzige in der Royal Air Force mit deutschem Pass.

Die erste Stelle in einem Londoner Studio hatte ihm seine Schwester vermittelt, sie wurde der Beginn einer glänzenden Karriere. An mehr als 70 Filmen hat Adam mitgewirkt, darunter in sieben 007-Streifen. Adam rüstete Bonds Aston Martin in „Goldfinger“ aus und entwarf die geheime Raketenstation in „Man lebt nur zweimal“. Seine bislang letzte Filmarbeit ist „Taking Sides“, István Szabós Furtwängler-Film. Für die Millenniums-Schau „Sieben Hügel“ im Berliner Gropius-Bau hatte Adam die spektakuläre Lichthof-Architektur entworfen. 2003 wurde er von der Queen geadelt, ist nun Sir Adam. ac

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben