Deutsch-Amerikanisches Volksfest zieht nach Moabit : Umzug in den britischen Sektor

In den Osten wollten sie nicht, auf das Flugfeld Tempelhof durften sie nicht. Nun hat das deutsch-amerikanische Volksfest hinter dem Hauptbahnhof einen neuen Veranstaltungsort gefunden.

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Foto: Mike Wolff

Manchmal lösen kleine Zufälle große Probleme: Vor kurzem fuhr Richard Simmons durch die Gegend am Hauptbahnhof und sah plötzlich einen Zettel an einem Zaun. Da war die Rettung für sein heimatloses deutsch-amerikanisches Volksfest, sozusagen im letzten Moment. Das „Woulksfest“, wie es Simmons mit seinem Wyoming-Akzent nennt, hätte fast nicht zum 51. Mal stattgefunden – mangels Veranstaltungsort. Vom 28. Juli bis 14. August wird es nun auf einer Brache, die einst ein Güterbahnhof war, an der Heidestraße 30 in Moabit aufgebaut. Dort, wo jetzt noch in einem Zelt menschengroße Katzen beim Musical Cats auf einer Bühne herumspringen.

Auf dem Zettel am Zaun suchte die Besitzerin des Geländes, die Deutsche Bahn, nach Interessenten für das Areal zwischen verlassenen Verladestationen und Speditionsbauten, das als größtes Entwicklungsgebiet der Stadt gilt und eine Art riesengroßes Niemandsland mitten in der Stadt ist. In 20 Jahren sollen hier Wohnungen, Geschäfte und Büros stehen.

„Das sind 71 000 Quadratmeter“, sagt Simmons stolz. 25 000 davon werde er beim Volksfest als Parkplatz deklarieren. Er habe erst einmal einen Vertrag für dieses Jahr. Aber mit der Bahn sei abgesprochen, dass das Fest auch 2012 und wahrscheinlich 2013 dort stattfinden könne. Allerdings nicht länger. „Es ist eindeutig eine Zwischenlösung“, sagt Simmons. „Ich hoffe einfach, dass wir Tempelhof doch noch irgendwann kriegen. Wir werden weiter Unterschriften dafür sammeln. Sonst gibt es keine große Fläche im amerikanischen Sektor.“ Das Gebiet, das die Amerikaner nach dem zweiten Weltkrieg kontrollierten, wollte er mit dem Fest eigentlich nicht verlassen. Bis zum vergangenen Jahr wurde das Volksfest auf dem Gelände an der Zehlendorfer Clayallee gefeiert – doch da entstehen bald Wohnungen und Geschäfte. Am liebsten würde er sein Fest auf dem ehemaligen Flughafen aufbauen. Doch das hält der Senat für keine gute Idee.

Das Areal an der Heidestraße sei immerhin im ehemaligen britischen Sektor, sagt Simmons. Und nicht im Osten, das war ihm wichtig. Es bleibt aber eine Notlösung. Denn: „Es wurde immer enger und ich dachte schon: Um Gottes Willen, das Fest wird nicht stattfinden.“ Schließlich planen Schausteller lange im Voraus. „Ich habe befürchtet, dass ich keine großen Fahrgeschäfte mehr bekomme, aber Gott sei dank haben sie gewartet“, sagt Simmons. Er sei jetzt „schaustellermäßig eingedeckt“. Ein Riesenrad werde auf jeden Fall dabei sein.

„Das ist erstmal eine kurzfristig zufriedenstellende Situation“, sagt Christian Wagner, Sprecher des Schaustellerverbands. „Aber wir hätten auch das Flugfeld Tempelhof deutlich besser gefunden.“ Auch weil es dort eine „bessere Anbindung“ gebe. In Moabit will Simmons einen Shuttlebus-Service vom Eingang an der Heidestraße zum Hauptbahnhof und zur Reinickendorfer Straße einrichten.

„Auf dem Gelände müssen wir kaum etwas verändern, die Organisatoren von Cats haben schon viel gemacht. Ein paar Leitplanken und etwas Gestrüpp müssen weg.“ Und die Kulissen für das amerikanische Dorf, das jedes Jahr aufgebaut wird, müsse man anpassen: „Vieles davon kann man nicht auf dem Beton aufbauen. Es wird also viele neue Teile geben. Und einen Strand mit Swimmingpool und Meerespostern. Damit man das Gefühl bekommt, am pazifischen Ozean zu sein.“ Bevor es soweit ist, muss Simmons aber erst zur Britzer Baumblüte – mit seinem Currywurststand. Daniela Martens

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