Deutschlandpremiere : Alarmstufe Rot: Star Trek ist wieder da

Wie alles begann: Donnerstagabend feiert der elfte Star-Trek-Kinofilm in Berlin Deutschlandpremiere Captain Kirk und Mr. Spock aus der ersten Fernsehcrew sind wieder dabei, allerdings deutlich verjüngt.

Eva Kalwa
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Faszinierend! Ob Zachary Quinto (r.) als vulkanisches Superhirn Mr. Spock wirklich Leonard Nimoy das Wasser reichen kann? Im Kino...

Aus intergalaktischer Perspektive ist dieses Treffen am blauen Teppich eine ziemliche Enttäuschung: Bei der gestrigen Deutschlandpremiere des neuen Weltraumabenteuers „Star Trek“ im Sony-Center am Potsdamer Platz erscheinen ganze drei Fans, „Trekkies“, in Weltraumuniformen. Michael Schmid, einer der drei verkleideten Fans der Kultserie um das Raumschiff „Enterprise“, gibt sogar zu: „Ich habe mir diese Commander-Uniform nur gekauft, um heute Abend eine der 18 Premierenkarten zu ergattern.“ Was ihm bei dem Mangel an Konkurrenz auch bald gelingt, denn die drei jungen Mädchen mit den plüschigen Hasenohren kommen offensichtlich aus einer Galaxie jenseits des Star- Trek-Universums. „Es ist kein Wunder, dass so wenige von uns hier sind“, sagt Holger Phillipp, Trekkie seit 35 Jahren. „Die meisten Fans wussten nicht, dass die Premiere vorverlegt wurde.“

Star Trek-Premiere in Berlin
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1 von 11Foto: ddp
29.07.2009 08:2916.04.2009: Die neue "Raumschiff Enterprise"-Crew bei der Filmpremiere in Berlin. Von links nach rechts: John Cho (Mr. Sulu), Eric...


Selbst als die angereisten Stars den blauen Teppich betreten, kommt nur kurzzeitig Jubel auf. Doch Regisseur Jeffrey Jacob Abrams („Lost“) und die Darsteller Chris Pine (Captain Kirk), Zachary Quinto (Spock), Simon Pegg (Scotty), Karl Urban (Pille), Zoé Saldana (Uhura), Eric Bana (Bösewicht Nero) und John Cho (Sulu) sind gut aufgelegt und betonen, wie sehr es ihnen im sonnigen Berlin gefalle und dass sie sich schon auf die Premierenparty im „Weekend-Club“ am Alexanderplatz über den Dächern der Stadt freuen.

Es ist eine junge Crew, die sich im elften Star-Trek-Kinofilm um den ebenfalls fast noch jugendlichen Captain Kirk versammelt, denn Abrams erzählt von den Anfängen der „Enterprise“ und der Entstehung der Freundschaft zwischen Captain Kirk und Mister Spock. Dabei führt er eine alternative Zeitlinie ein, die Änderungen in der Handlung und den Biografien der Charaktere erlaubt, die sich von den ursprünglichen Inhalten der alten Serie und der Kinofilme unterscheiden. Viele „Trekkies“ sehen diesen als beliebig empfundenen Veränderungen mit Skepsis entgegen, und sie fürchten, dass die neue Crew den Charme und Charakter der alten Serie nicht zu transportieren vermag – erst ab 7. Mai werden sie Klarheit bekommen, dann nämlich läuft der Film offiziell in den deutschen Kinos an.

Andere Fans wiederum hoffen, dass der Generationenwechsel einen positiven Neuanfang für das Star-Trek-Universum bedeuten könnte: Der zehnte Kinofilm „Nemesis“ war 2002 kommerziell nur noch wenig erfolgreich, und die sechste Fernsehserie „Star Trek: Enterprise“ wurde 2005 wegen niedriger Einschaltquoten nach vier Staffeln abgesetzt.

Der geistige Vater der Kultreihe ist Gene Roddenberry. Der 1991 verstorbene Amerikaner galt als leidenschaftlicher Humanist und entwarf in Zeiten des Kalten Krieges und der Kubakrise in „Star Trek“ eine positive Zukunft, in der die Menschheit Intoleranz, Rassismus, Armut, Kapitalismus und Kriege überwunden hat. So machte 1968 ein Filmkuss zwischen dem weißen Captain Kirk (William Shatner) und der Afroamerikanerin Uhura (Nichelle Nicols) Furore: Im Amerika der Rassentrennung sorgte der – wie es damals im Fernsehen üblich war – noch durch eine weitere Person halb verborgene Kuss für einen Skandal: Einige Südstaaten der USA weigerten sich jahrelang, die Folge auszustrahlen. Doch die Verbreitung der auf Toleranz und Gleichberechtigung ausgerichteten Botschaft der „Enterprise“ ließ sich nicht aufhalten: Technische Errungenschaften wie das Beamen, der Warpantrieb und Flüge in Überlichtgeschwindigkeit machen es der „Sternenflotte“ im 23. Jahrhundert möglich, fremde Welten und Zivilisationen zu erforschen – stets in friedlicher Mission.

Auch Oliver Kalkofe ist als Fan der ersten Stunde bei der Deutschlandpremiere dabei: „Als Junge habe ich die Serie immer zusammen mit meinem Großvater gesehen – wir aßen Schnittchen und Opa verstand nie, worum es eigentlich ging“, erinnert sich Kalkofe lachend. Sogar ein Wörterbuch in Klingonisch, der berühmten Kunstsprache der Serie, habe er besessen.

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