Stadtleben : Die Fans feiern Barbra Streisand

Bei ihrem ersten und einzigen Deutschland-Konzert begeistert die Ausnahme-Künstlerin ihr Publikum

Elisabeth Binder,Rüdiger Schaper

So feierlich beginnen Konzerte selten. Und mit so viel Applaus auch. Während Barbra Streisand am Sonnabend langsam auf die Bühne kommt, wird sie von ihrem Publikum mit standing ovations begrüßt und bejubelt. Mit 18 000 Zuschauern ist die Waldbühne zwar nicht ausverkauft, bis zuletzt gab es noch Karten in den teureren Kategorien, aber das erste und einzige Konzert der 65-jährigen Künstlerin in Deutschland bildet trotzdem eine beeindruckende Kulisse für ihren Auftritt.

Mit „Starting Here, Starting Now“ beginnt sie, um gleich danach zu erklären, wie froh sie sei in einer Stadt mit so viel „Kultur, Schönheit und Desserts“ zu Gast zu sein und lässt gleich danach ordentlich Lokalkolorit durchschimmern, als sie sagt, sie habe schon eine Currywurst probiert und sie habe ihr sogar geschmeckt. Ihr Publikum quittiert das mit gefälligem Lachen und neuerlichem Applaus. Die Streisand, derzeit auf Tournee durch Europa, hat es heute ganz besonders leicht mit ihren Fans.

Die meisten von ihnen hatten vor dem Konzert geduldig auf den Einlass warten müssen. Wegen der hohen Sicherheitsauflagen, die la Streisand persönlich „ein großes Anliegen“ seien, wie es in einem Schreiben der Veranstalter hieß, weil ihr die „Sicherheit ihrer Fans“ wichtig sei, gab es Schleusen mit Metalldetektoren und Warteschlangen. Ursprünglich sollte um 17 Uhr mit dem Einlass begonnen werden, dann dauerte es eine Stunde länger. Aber pünktlich zum Konzertbeginn waren alle Gäste in der Arena.

Das gilt auch für die VIPs, die vor Beginn des Konzerts vom Hauptsponsor des Abends eingeladen worden waren. Volkswagen hatte in das Dorset-House gebeten, denn VW weiß, das der richtige Rahmen nicht nur bei Autos wichtig ist. Auch ein sehr besonderes Konzertereignis verlangt danach. Insofern setzte der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn in die Waldbühnenwirklichkeit nur um, was in seinem Unternehmen tägliche Praxis ist. Schon zwei Stunden vorher lud er etwa 200 Prominente zum Dinner ein, zu einem fliegenden Büfett, bei dem Hummer, Jacobsmuscheln und Jahrgangschampagner gereicht wurden. Dort sollte der Abend nach dem Konzert auch ausklingen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit hatte eigens das Goldene Buch der Stadt mitgebracht, in der Hoffnung, Barbra Streisand werde sich an Ort und Stelle verewigen. Er gehörte zu den Wenigen, die Streisand überhaupt zu sich vorließ. Sie ist ja sehr scheu, kommentierte Wowereit fröhlich. Zum Auflockern hatte er noch ein Gastgeschenk im Gepäck: Knut aus Porzellan. Wie sein Lebenspartner Jörn Kubicki mag er den Film „Funny Girl“ besonders gerne.

Neben dem ehemaligen Regierenden Klaus Schütz war auch Shimon Stein geladen und Berlinale-Chef Dieter Kosslick, der witzelte, er möchte Barbra Streisand mal in seiner Jury sehen. Beim Empfang sagte VW-Chef Winterkorn: „Wir freuen uns, dass wir mithelfen konnten, ein Konzert von Barbra Streisand auf deutschem Boden möglich zu machen.“

In der Arena steht sie zunächst in einer langen schwarzen Robe auf der Bühne, um sich nach 20 Minuten wieder umzuziehen. Danach singt sei einen Querschnitt der größten Erfolge ihrer Ausnahmekarriere und wird dabei von einer 58-köpfigen Big Band sehr stimmig und gut begleitet. Nach jeder Nummer erntet sie neue Beifallsstürme und standing ovations. Sie ist sichtlich gut gelaunt und nimmt sogar Songwünsche aus dem Publikum an.

Das Konzert, das bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch andauerte, darf, so viel kann schon jetzt gesagt werden, als großes Ereignis gelten. Barbra Streisand ist charmant, erzählt in Anekdoten übers Älterwerden und gutes Essen und das Publikum ist kurz vor dem Finale restlos begeistert. Alles stimmt – die Atmosphäre, die Stimmung, und am Ende hat auch das Wetter mitgespielt.

Die erste Europa-Tournee der Künstlerin, die vom Oscar bis zu Golden Globe und Grammy alle wichtigen Auszeichnungen gewonnen hat, führt sie noch nach Stockholm, Manchester, Dublin und London.

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