Dinner-Show : Pomp, Duck & Ballermann?

Herbst: Palazzo. In Süddeutschland, Wien, Zürich – und eben Berlin. Aber nur hier steht Hans-Peter Wodarz für die Dinner-Show, erstmals unterstützt vom Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse.

Bernd Matthies

Beide haben eine treue Gefolgschaft in der Stadt, die sich zur Herbstpremiere nur allzu gern im Spiegelzelt am Hauptbahnhof versammelte. TV-Stars wie Wolfgang Bahro und Claus-Theo Gärtner hielten Hof, das war wie immer – aber die Show zeigte sich grundlegend verändert, laut, ohne erkennbaren roten Faden, ohne den hohen musikalischen Anspruch der letzten beiden Jahre, ganz und gar auch ohne den ausgefeilten Witz, die Effektlust und den anarchischen Humor von „Pomp Duck“, jener Wodarz-Show, aus der sich bis heute alle Nachfolger mit Ideen bedienen. Zentralfigur von Palazzo 2009 ist der brillante Jongleur Timo Wopp, dessen grell pochernde Moderation allerdings erkennbar auf ein anderes Publikum zielt als das bislang angestammte; auch das anstrengende Uffza-uffza aus der Konserve, das die zum Teil höchst beachtlichen artistischen Kraftakte untermalt, scheint sich auf einem künstlerischen Niveau einzupendeln, das man in Zusammenhang mit dem Namen Wodarz nicht gewohnt war. Pomp, Duck & Ballermann? Selbst eine glänzende Sängerin wie Nicole Arrington kommt nicht aus den Startlöchern, wenn sie von bleiernen Schlagzeug-Samples festgehalten wird. Der Witz der Collins Brothers, die zwischen Slapstick und Akrobatik pendeln, half über manche Schwachstelle hinweg, Frank Wolfs virtuoser Breakdance auf dem BMX-Rad setzte einen glänzenden Schlusspunkt. Dennoch muss man kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass hier noch kräftig nachgeschliffen und gestrafft werden muss. Christian Lohse drückte dem Essen seinen Stempel auf, er wuselte geschäftig herum, konnte aber nicht verhindern, dass auch an der Essensfront noch manches holperte und die Wartezeiten in die Länge gingen.

Palazzo, Mo–Sa ab 19.30, So ab 18 Uhr, Tickets ab 79,90 Euro, Tel 01805 388883, mehr Infos unter www.palazzo.org

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