DJ Bobo in Berlin : ''Ich war immer ein Weltverbesserer''

René Baumann ist der erfolgreichste Schweizer Musiker aller Zeiten. Nun hat er ein Lied zur EM geschrieben - und kämpft gegen die Armut der Welt.

Sebastian Leber
Bobo
DJ Bobo im Café der "Rock'n'Roll-Herberge" in Kreuzberg -Foto: Mike Wolff

Wenn sich einer DJ Bobo nennt, aber eigentlich René Baumann heißt, wie spricht man ihn dann an? „René ist gut“, sagt er. Aber alles andere auch. Und dann: „Wie spricht man eigentlich Bono von U2 an?“ Der heißt ja in echt Paul.

René hat noch Schminke im Gesicht. Das sieht von nahem ein bisschen lächerlich aus, aber er war beim Frühstücksfernsehen und hatte noch keine Zeit zum Abschminken. Jetzt sitzt er in einem Café in der Muskauer Straße in Kreuzberg und studiert die Getränkekarte. „Bloß keinen Kaffee, davon hatte ich schon zu viel.“ Er nimmt Orangensaft.

DJ Bobo, der größte Popstar, den die Schweiz je hervorgebracht hat, geht demnächst auf Deutschlandtour. Deshalb ist der 40-Jährige heute in Berlin, um schon mal Werbung zu machen. Am 5. Mai tritt er in der Max-Schmeling-Halle auf. Aber noch lieber spricht DJ Bobo über ein neues Internetprojekt. Er ist nämlich Botschafter des Welternährungsprogramms der UN, und die hat kürzlich die Seite www.freerice.com gestartet. Wer draufklickt, kann Quizfragen beantworten. Pro richtiger Antwort spendet ein privater Sponsor 20 Reiskörner für die Dritte Welt. Es wird viel geklickt. „Geniales Konzept“, sagt DJ Bobo. Der Musiker möchte, dass in Deutschland ganze Schulklassen mitmachen. Den besten 100 schenkt er Gratis-Tickets für seine Tour. DJ Bobo hat sich auch schon gegen Landminen engagiert. Und für eine Initiative, die möchte, dass Eltern aufpassen, was ihre Kinder im Fernsehen schauen. „Ich war immer ein Weltverbesserer“, sagt DJ Bobo und grinst.

Nur einmal wurde das bisher angezweifelt. Voriges Jahr musste er sich den Vorwurf anhören, Satanismus zu verherrlichen. Weil er es gewagt hatte, beim Grand Prix mit einem Lied über Vampire anzutreten. Eine kleine Schweizer Partei, die sich auf christliche Werte berief, startete eine Kampagne, um den Song zu verbieten. Sie sammelte fast 50 000 Unterschriften. „Es hat mich geschockt, dass so viele Menschen da unterschrieben haben, ohne den Song überhaupt zu kennen.“

Nun kann man DJ Bobos Texten sicher einiges vorwerfen: dass sie nicht lyrisch sind, dass die Reime darin selten originell sind, dass Zeilen vorkommen wie „Sometimes I’m nice, sometimes I’m ice“. Aber Satanismus? Das ist abwegig. Und seine Fans haben es nicht geglaubt.

Gut, auch ein DJ Bobo hat dunkle Seiten. In seiner Jugend war er Graffiti-Sprayer, er hat „Bobo“ an Bahnwaggons und Unterführungen gesprüht. Einmal wurde er erwischt, aber nicht verhaftet. Er musste bloß alles wegwischen.

Mehr als 13 Millionen CDs hat er bisher verkauft, er hat Fans in ganz Europa, auch im Iran und in China. In der Mongolei trat er vor 12 000 Menschen auf. Bald werden wohl wieder einige Fans dazukommen: DJ Bobo hat ein Lied für die Fußball-Europameisterschaft geschrieben. Weil Schweiz und Österreich Gastgeber sind, hatte DJ Ötzi zuerst ein Duett vorgeschlagen. Später hieß es, Bobo singe mit Christina Stürmer. Jetzt macht er es alleine: „Olé Olé“ heißt das Lied, es hat einen typischen Bobo-Text, in dem sich „dancing in the street“ auf „move your feet“ reimt und „all night long“ auf „sing this song“.

René Baumann weiß, dass er polarisiert und dass „einige Leute DJ Bobo extrem uncool finden“. Aber oft ist es gar nicht so schlimm, wie er befürchtet. Gut erinnert sich der Schweizer an seinen letzten Besuch in den Viva-Studios am Berliner Osthafen. Draußen vorm Eingang standen haufenweise Hip-Hop- Fans, die haben alle auf Gangsta-Rapper Bushido gewartet. Bobo traute sich nicht, an denen vorbeizugehen, er wollte nicht beschimpft werden. Also fragte er nach einem Hintereingang. Aber dann haben ihn die jungen Rapfans aus der Ferne erkannt. Und freundlich begrüßt. Das hat Bobo selbst nicht glauben wollen.

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